Zitat der Woche 06/2018

[E]ine sehr große Zahl [an Menschen] fühlt sich durch einen gemeinsamen Glauben verbunden, und das ist der Glaube an die Allmacht des Staates. Dieser ist natürlich – wie jeder Glaube – stets auch mit Zweifeln und Frustrationen verbunden. […] Dann wünscht man sich aber nicht weniger Staat, sondern einen anderen, möglicherweise noch allmächtigeren Staat, auf den sämtliche Hoffnungen und Wünsche projiziert werden.

Autor
Robert Nef
Quelle
Ein religiöser, ökonomischer und historischer Irrtum (in eigentümlich frei 173)

Laut Robert Nef ist der Staat für viele ein Gottesersatz. Wenn das stimmt, dann kann Evangelisation auch dem Eindämmen des Staatseinflusses dienen und damit totalitären Tendenzen entgegenwirken.

Für einen tieferen Einblick in Nefs Gedanken folgt der gesamte Absatz, dem das obige Zitat entnommen ist:

Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Säkularisierungen. Die Allmacht Gottes wurde zunächst durch eine Allmacht der Wissenschaft in Frage gestellt. Und durch eine Verknüpfung von Wissenschaft, beziehungsweise von dem, was man für Wissenschaft gehalten hat, mit der politischen Macht wurde die Basis geschaffen für den Übergang vom allgemeinen Glauben an den allmächtigen Gott zum Glauben an den allmächtigen Staat. Bestimmt gibt es Menschen, die an ihrem Gottesglauben festhalten (auch Roland Baader gehörte dazu, und ich selbst zähle mich auch zu dieser Gruppe), und bestimmt gibt es auch starke und charakterfeste Menschen, die es fertigbringen, als Agnostiker weder an eine metaphysische noch an eine pseudowissenschaftliche noch an eine politische Macht zu glauben, aber eine sehr große Zahl fühlt sich durch einen gemeinsamen Glauben verbunden, und das ist der Glaube an die Allmacht des Staates. Dieser ist natürlich – wie jeder Glaube – stets auch mit Zweifeln und Frustrationen verbunden. Sie äußern sich, wenn dieser allmächtige Staat nicht genau so tickt (und zahlt!), wie man es sich wünscht. Dann wünscht man sich aber nicht weniger Staat, sondern einen anderen, möglicherweise noch allmächtigeren Staat, auf den sämtliche Hoffnungen und Wünsche projiziert werden.

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2 Gedanken zu „Zitat der Woche 06/2018

    1. Kokospalme Autor

      Ich stimme dir hier nur teilweise zu.

      Ja, der Staat ist ein großer Götze unserer Zeit. Er bietet einem Versorgung und Schutz und dazu noch ein Wertefundament. Seine Verfassung hat den Status einer heiligen Schrift und sein höchstes Gericht gilt als unfehlbar.

      Die Nation ist nur für einige ein Götze. Viele bekämpfen ja geradezu alles Nationale zu Gunsten eines Internationalismus, welcher lediglich die Beherrschung durch den Staat von der Nation auf die Welt ausdehnen will. Das Wiedererstarken des Nationalismus ist wohl vor allem eine Reaktion auf diesen Interationalismus. Egal ob Nationalismus oder Internationalismus, die Menschen suchen nach einem Kollektiv, welches durch staatliche Machtausübung zusammengehalten und gelenkt werden soll, was wohl häufig am Fehlen natürlich gewachsener Gemeinschaften wie Familien und Freundeskreise liegt.

      Die Marktwirtschaft wird meines Erachtens in Deutschland nur von einer Minderheit vergöttert. Dafür sehe ich jede Menge antimarktwirtschaftliche Strömungen, die sich ja nicht zuletzt in vermehrter Staatstätigkeit niederschlagen.

      Dabei ist zu beachten, dass ich unter „Marktwirtschaft“ das verstehe, was ursprünglich damit gemeint war: das freie und friedliche Wirtschaften ohne staatliche Einmischung. Was wir dagegen heute in Deutschland und den anderen westlichen Ländern sehen, ist eine Mischung aus Marktwirtschaft und Sozialismus. Mit der Marktwirtschaft verhält es sich aber wie mit der Gnade: Sie ergibt nur dann richtig Sinn, wenn sie konsequent zu Ende gedacht wird. Würde Marktwirtschaft konsequent gelebt, hätten wir viele der Probleme nicht, die man zwar der Marktwirtschaft anlastet, welche aber in Wirklichkeit durch das Vermischen von Marktwirtschaft und Sozialismus entstehen.

      Nun verbindest du aber Marktwirtschaft mit Mammon. In der Tat verstehen etliche Menschen unter „Marktwirtschaft“ einfach die Möglichkeit, auf gewissen Wegen reich zu werden. Diese Menschen verkennen aber offenbar, dass Marktwirtschaft ein Regelsystem ist, dessen Prinzip die Achtung von Privateigentum und Verträgen ist. Marktwirtschaft ist also kein Mechanismus, mit dem man den schnellen Euro machen kann, sondern beinhaltet zum Beispiel, dass man nicht nur mit vollmundigen Versprechungen wirbt, sondern die versprochene Leistung auch vollumfänglich erbringt.

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