Zitat der Woche 22/2017

Wer meint, Bürgerschutz sei Sache der Polizei, ist ein weltfremder Träumer. Die Polizei ist allenfalls im Nachhinein für die Spurensicherung zu gebrauchen. Für die Abwehr von Räubern und anderen Verbechern [sic] jedenfalls nicht.

Autor
Andreas Tögel
Quelle
Juwelier erschießt Räuber (in der Online-Ausgabe von eigentümlich frei)

Das Recht auf privaten Besitz und Einsatz von Waffen ist wohl vielen Deutschen fremd. Dabei ist dessen Begründung plausibel: Jeder Mensch soll grundsätzlich machen können, was er möchte; der Staat darf nur dort einschreiten, wo jemand die Rechte anderer missachtet. Besitz und Einsatz von Waffen sind damit an sich kein Problem; problematisch ist nur, wenn der Waffenbesitzer zum Beispiel seine Waffen zum Ermorden anderer einsetzt. In einem solchen Fall ist es für die von ihm ins Visier Genommenen vorteilhaft, wenn sie selbst über Waffen verfügen, mit denen sie sich gegen den Mörder wehren können, notfalls auch, indem sie den Mörder erschießen. Notwehr ist ein Menschenrecht – unabhängig von den dazu verwendeten Mitteln.

Vor diesem Hintergrund ist die immer stärkere Reglementierung des privaten Waffenbesitzes, wie sie insbesondere von der Europäischen Union betrieben wird, ausgesprochen besorgniserregend. Gegenwind gibt es mit der Waffenkolumne in eigentümlich frei, betrieben von Andreas Tögel, dem Autor der obigen Zeilen. Tögels Artikel finden sich auch regelmäßig auf ef-online.

Auch Jesus Christus war kein Verächter von privatem Waffenbesitz. Lukas 22,35-38 berichtet von einem Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern kurz vor Jesus’ Gefangennahme:

Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, mangelte euch wohl etwas? Sie aber sagten: Nichts. Er sprach nun zu ihnen: Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie und ebenso eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Gewand und kaufe ein Schwert; denn ich sage euch, dass noch dieses, was geschrieben steht, an mir erfüllt werden muss: „Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden“; denn auch das, was mich betrifft, hat eine Vollendung. Sie aber sprachen: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug.

Mit der Gefangennahme von Jesus wurde es auch für die Jünger äußerst gefährlich. Deshalb forderte Jesus sie auf, sich zu bewaffnen. Eigentlich naheliegend, aber für viele heutige Christen befremdlich. Schließlich wurde ihnen immer wieder vermittelt, dass sie sich im Ernstfall aus lauter Sanftmut widerstandslos abschlachten lassen sollten.

Es gibt sogar eine Auslegung des obigen Bibeltexts, die das Bild vom wehrlosen Christen mit Jesus’ Aussagen in Einklang bringt. Diese Auslegung stützt sich auf Jesus’ Worte „Es ist genug“, mit denen er den Hinweis der Jünger auf ihre zwei Schwerter erwiderte. Angeblich wollte Jesus damit so viel wie „Jetzt reicht’s mir aber.“ sagen, weil die Jünger seine Aufforderung zur Bewaffnung wörtlich genommen hatten, während er sie eigentlich nur sinnbildlich gemeint hatte.

Als ich diese Auslegung das erste Mal hörte, war ich schon sehr verwundert. Eine solche Interpretation war mir beim unvoreingenommenen Lesen des Bibeltexts niemals auch nur annähernd in den Sinn gekommen. Vielmehr hatte ich ganz selbstverständlich angenommen, dass Jesus mit seinem „Es ist genug.“ einfach sagen wollte, dass zwei Schwerter ausreichen.

Leider wird dieses direkte Verständnis des Bibeltexts von vielen Christen nicht geteilt. Das hat zum Teil fatale Folgen, besonders dort, wo Christen massiven Aggressionen ausgesetzt sind. An vielen Orten der Welt werden Christen zwangsverheiratet, entführt und getötet, werden ihre Wohnhäuser und Kirchen zerstört. Wer in evangelikalen Zeitschriften von diesen Vorkommnissen liest, bekommt schnell den Eindruck, als wären die Betroffenen der Gewalt schutzlos ausgeliefert. Dem ist aber nicht immer so, wie der reformierte Theologe Thomas Schirrmacher einmal anmerkte. Schirrmacher berichtete von Christen in Ägypten, welche sich brutalen Angriffen von Muslimen gegenüber sahen. Dabei beschrieb er nicht nur das Leid dieser Christen, sondern fügte noch eine entscheidende Bemerkung hinzu: Es gibt aber auch Christen, die sich bewaffnen, und die werden nicht angegriffen. Manchmal ist die Lösung so einfach.

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Ein Gedanke zu „Zitat der Woche 22/2017

  1. Kokospalme Autor

    In der aktuellen ef schreibt Andreas Tögel in seiner Waffenkolumne folgendes zum Thema:

    An dieser Stelle soll das Augenmerk […] auf die Tatsache gelenkt werden, dass politischer Aktionismus und eine meist sinnfreie Anlassgesetzgebung stets einseitig auf die Verhinderung möglicher oder herbeiphantasierter Schäden, niemals aber auf die Ermöglichung eines Nutzens gerichtet sind. […] Das Zetermordio-Geschrei kennt keine Grenzen, wenn eine Privatperson mit ihrer legal erworbenen Schusswaffe Schaden stiftet. Schweigen im Walde herrscht dagegen dann, wenn eine in Privathand befindliche Schusswaffe dazu genutzt wird, ein Verbrechen zu verhindern oder seine Folgen abzumildern – indem der Kriminelle rechtzeitig damit gestoppt wird, ehe er noch größeres Unheil anrichten kann.

    Aus Israel, wo man gelernt hat, mit unentwegt drohendem Terror umzugehen, kennt man zahlreiche Fälle, in denen rechtmäßig bewaffnete Privatpersonen einem „Amoklauf“ durch gezielte Schüsse ein schnelles Ende bereitet haben. In Euroland, wo die Bürger durch ignorante oder korrupte Regierungen beinahe vollständig entwaffnet und damit wehrlos gemacht wurden, kann das nicht passieren. Man denke an das Massaker im Bataclan, wo ein, zwei bewaffnete Besucher viel Leid hätten verhindern können.

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