Zitat der Woche 18/2017

Die Stimmen in deinem Kopf sind nicht Gott; sie stammen von dir. Wenn du Gott hören willst, dann lies die Bibel laut vor.

Autor
David Mathis
Quelle
Was sagt uns „Die Hütte“ über das Leid? (im TheoBlog)

Mathis kritisiert hier mit Bezug auf das Buch und den Film „Die Hütte“ die unter Evangelikalen verbreitete Meinung, Gott würde zu Christen nicht nur durch die Bibel sprechen, sondern auch durch innere Stimmen, Eindrücke, äußere Umstände und allerlei mehr. Ich teile seine Kritik nicht vollständig, da ich meine, dass sich Gott auch auf anderem Wege als durch die Bibel verständlich macht. Allerdings denke ich, dass sich heutige Evangelikale viel zu viel auf außerbiblisches Reden Gottes berufen, weswegen ich Mathis zitiert habe.

Warum sollte man denn glauben, dass wirklich Gott redet, wann immer Evangelikale ein Reden Gottes behaupten? Hat zum Beispiel jemand den Eindruck, Gott wolle dies oder jenes sagen, dann kommt dieser Eindruck vermutlich aus der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt. Die Ansicht, hier wäre Gott am Werk, ist pure Spekulation. Eigentlich ist es erschreckend, dass sich Menschen, die sonst gut begründet handeln, auf einmal auf vage Vermutungen stützen und dabei glauben, sie würden sich in Wirklichkeit auf Aussagen des unfehlbaren Gottes verlassen.

Hinter diesem Verhalten steht vermutlich der Wunsch, von Gott ganz direkt geführt zu werden. Dieser Wunsch wiederum kann der Angst entstammen, gegen Gottes Willen zu verstoßen oder ohne Gottes direkte Führung nicht zurecht zu kommen. Gott hat aber den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Damit einher geht die Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen zu treffen und für sein Leben Verantwortung zu übernehmen. Dagegen ist das übermäßige Verlangen nach Führung Gottes wohl oft nur ein Zeichen für Unreife.

Leider üben die ständigen Behauptungen von Christen, Gott habe zu ihnen gesprochen, auch Druck auf andere Christen aus. Wer will schon so ungeistlich sein und nicht die Stimme Gottes hören, wenn doch alle um einen herum im regen Austausch mit dem Schöpfer des Universums sind? Durch diesen Druck werden dann weitere Christen dazu gedrängt, auf die besagten zweifelhaften Offenbarungsquellen zurückzugreifen.

Ein Kommentar des Artikels, aus dem ich das obige Zitat entnommen habe, fasst viele meiner Kritikpunkte ironisch zusammen. Obwohl auch dieser Kommentar entgegen meiner Meinung außerbiblisches Reden Gottes grundsätzlich verneint, möchte ich ihn hier wiedergeben:

Ich treffe selten auf Christen, die meinen, Gott rede nur in der Bibel. Sie alle wissen: Gott redet durch innere Stimmen, durch Ahnungen, Eindrücke, hörendes Gebet, äußere Umstände, „inneren Frieden haben über etwas“, Gottes Rede von Geist zu Geist und so weiter.

Ich bin der einzige, der meint, Gott habe uns „nur“ die Bibel gegeben. Ich habe bisher geglaubt, es käme nicht auf Erfahrung, sondern auf Glauben an. Ich habe bisher geglaubt, es käme darauf an, auf das zu vertrauen, was geschrieben steht. Mit dieser Meinung stehe ich als armseliger, von Gottes vielfältigen Stimmen vergessener Fußvolkchrist da. Meine Mitchristen haben Ohren sechsten und siebten Sinnes; mir sind „nur“ die beiden links und rechts am Schädel gegeben.

Freilich weiß auch ich um die „morphischen Felder“ des Herrn Dr. Sheldrake. Aber im Gegensatz zu jenen, die Luftschlösser bauen, ziehe ich es vor, mich dort nicht häuslich einzurichten. „Die Hütte“ steht in der Gemeinde, die ich besuche, ganz frech im Regal. Ich habe zu ihr hoch geblickt und ihr einen stummen Vorwurf hinauf gesandt. Sie hat nur überlegen herunter gelächelt: „Wer bist denn du schon!?“ Dann bin ich vom Regal weggegangen und hab mich brav in die Reihe gesetzt, in die ich mich normalerweise zu setzen pflege.

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