Zitat der Woche 10/2017

Zumindest nach meiner bescheidenen Lebenserfahrung sind Atheisten nicht gebildeter oder schlauer als gläubige Menschen. Sie halten sich nur ab und zu dafür.

Autor
Llarian
Quelle
Kommentar zu dem Artikel Warum machen wir Liberalen so wenig aus unserem Status als Minderheit? (in dem Blog Zettels Raum)

Llarian ist seit dem Tod Zettels mein Lieblingsautor auf Zettels Raum. Das obige Zitat ist folgenden Ausführungen zu Atheisten und Intelligenz entnommen:

Ich finde es absurd zu meinen, man sei besonders helle („bright“), weil man in einer metaphysischen Frage zu dem Ergebnis kommt, dass es kein höheres Wesen gibt. Es ist die Arroganz, die mancher Atheist hat, zu meinen, er sei besonders helle, weil er keinen Glauben habe. Aus meiner Profession ist einer der klügsten Köpfe Don Knuth, Professor in Stanford und Verfasser diverser Standardwerke. Aus meiner Sicht ein ziemlich schlauer Kopf, ziemlich „bright“ sozusagen. Was ihn nicht daran gehindert hat auch theologische Vorlesungen zu halten. Zumindest nach meiner bescheidenen Lebenserfahrung sind Atheisten nicht gebildeter oder schlauer als gläubige Menschen. Sie halten sich nur ab und zu dafür.

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8 Gedanken zu „Zitat der Woche 10/2017

  1. Muriel

    Das ist zwar eine etwas einseitige Darstellung (Gibts umgekehrt ja auch öfter mal.), aber natürlich unbestreitbar zutreffend, wie hier zitiert.

    Der Rest des Posts hingegen bereitet mir ein gewisses Unbehagen, auf die gleiche, gar nicht mal so leicht fassbare Weise, wie die meisten Posts dort. Sie erinnern mich an … Martenstein, und Nuhr, und vielleicht sogar ein bisschen an Herrn Fleischhauer, auch wenn man sich in Zettels Raum natürlich nicht so derbe geriert. Für mich klingt da oft so eine bequeme Süffisanz der Privilegierten durch, die sich leichtfüßig und ein bisschen herablassend mit den Problemen anderer befasst, ohne wirkliches Interesse daran, aber mit einer gewissen demonstrativen Intellektualität, und mit viel wenig Selbstironie oder -kritik. So eine feuilletonhafte Wurstigkeit. Man spielt ein bisschen mit den Begriffen, denkt hier was an, und da, und wirft dort noch einen halbgaren Gedanken hin …

    Hm. Naja, vielleicht tue ich den Zetteln ja auch unrecht. Ich bin, man ahnt es vielleicht, dort kein sehr regelmäßiger Gast. Vielleicht gewöhnt man sich ja mit der Zeit dran, und findet dann feine Dinge, die mir verborgen bleiben.

    Man weiß es nicht.

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Ja, Arroganz gegenüber Andersdenkenden gibt es auch unter Gläubigen und sie ist mir dort ebenfalls nicht recht.

      Was den Stil bei Zettels Raum anbelangt, so ist mir der von dir kritisierte Zungenschlag noch nicht aufgefallen. Vielleicht ordne ich die gleichen Formulierungen anders ein. Ich finde jedenfalls auf Zettels Raum immer wieder gute, relevante Gedanken, wenngleich ich zwischen den einzelnen Artikeln zum Teil deutliche Qualitätsunterschiede sehe.

      Antwort
      1. Muriel

        Ich finde ihn zum Beispiel im verlinkten Beitrag einigermaßen gut verbeispielt, weil da dieses letzten Endes ja ergebnislose Gedudel über Minderheiten steht, ohne dass der Verfasser sich damit auseinandersetzt, dass es Minderheiten gibt, deren Angehörige wirklich darunter leiden, dass sie von der Mehrheit schlecht behandelt werden. Ohne unterstellen zu wollen, dass er das wirklich so sieht, klingt da für mich durch: „Weiß gar nicht, warum die sich alle so anstellen? Ich als weißer beneide die eigentlich sogar ein bisschen um ihren Status …“

        Und das finde ich problematisch.

        Mehr als problematisch finde ich, dass es, wie ich just beim Nachlesen sehe, nicht mal nur mitschwingt. Da steht ziemlich unmissverständlich:

        In früheren Zeiten war es meist von Nachteil, zu einer Minderheit zu gehören. […] In unseren heutigen pluralistischen Gesellschaften ist das nicht mehr so. Minderheiten genießen oft Vorteile; wie in den USA durch die affirmative action. Minderheiten werden nicht mehr mit herabsetzenden Bezeichnungen belegt, sondern sie definieren sich gern selbst, geben sich einen neuen Namen. […] Es ist von Vorteil, zu einer anerkannten Minderheit zu gehören.

        Und das würde ich dann sogar schon unanständig nennen gegenüber Leuten, die in ihrem Alltag immer noch deutlich spüren, dass sie manche Jobs nicht bekommen, von der Polizei schlechter behandelt werden, beschimpft und ausgegrenzt werden, weil sie schwul/schwarz/jüdischen oder muslimischen Glaubens oder sonstwas sind. Find ich.

        Antwort
        1. Kokospalme Autor

          Ich finde, Llarian hat in seinem Kommentar sehr klar auf ein Problem aufmerksam gemacht: Bestimmte Minderheiten werden vom Staat bevorzugt behandelt, um eine (zumindest behauptete) Benachteiligung durch zumeist private Akteure auszugleichen.

          Nun haben aber private Akteure das Recht, Menschen aufgrund beliebiger Kriterien zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Ich bin zum Beispiel bei der Partnerwahl völlig sexistisch vorgegangen, indem ich Männer als Partner grundsätzlich ausgeschlossen habe. Mit meinen Kindern habe ich wesentlich intensiveren Umgang als mit anderen Kindern und fröne damit einer Art Mikrorassismus, da ich meine Kinder aufgrund ihrer Abstammung von meiner Person bevorzuge.

          Genauso wie Einzelpersonen haben auch private Gruppen, wie zum Beispiel Unternehmen, das Recht, Personen unterschiedlich zu behandeln, also gemäß dem eigentlichen Wortsinn zu diskriminieren. Wenn zum Beispiel ein Unternehmer schlechte Erfahrungen mit muslimischen Arbeitnehmern gemacht hat, will er vielleicht in Zukunft keine Muslime mehr einstellen, um das Risiko weiterer Probleme zu verkleinern. Er sagt damit gar nicht mal, dass er alle Muslime schlecht findet. Es geht dabei um eine statistische Risikominimierung. Im Bewerbungsprozess kann der Unternehmer einen konkreten Kandidaten nur sehr unvollständig kennenlernen, weswegen es sinnvoll ist, auf Erfahrungen mit früheren, ähnlichen Bewerbern zurückzugreifen, da es Korrelationen zwischen zum Beispiel der Religion und der Arbeitsweise gibt.

          Wohl gemerkt, geht es hier nicht um Moral. Es kann unmoralisch sein, einen Menschen aufgrund einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit so oder so zu behandeln. Es geht hier um die Freiheit, die ein Staat den Menschen lassen muss. Und der Kern dieser Freiheit ist die Privatautonomie: das Recht, mit dem eigenen Eigentum zu tun oder zu lassen, was man will.

          Bei Affirmative Action, der Bevorzugung von Frauen im öffentlichen Dienst und dergleichen verstößt nun der Staat gegen das Recht auf Privatautonomie. Wenn zum Beispiel ein Unternehmer auf einmal jemanden einstellen muss, den er eigentlich nicht einstellen will, weil dieser einer geschützten Minderheit angehört, so ist er nicht mehr Herr seines Unternehmens. Gegenüber dem Zustand der Freiheit, also dem Normalzustand, wird damit der Angehörige der Minderheit bevorzugt und der abgelehnte Konkurrent, der keiner geschützten Minderheit angehört, benachteiligt. Das ist eine Ungerechtigkeit, die kaum kritisiert, ja meistens noch nicht einmal als Ungerechtigkeit angesehen wird.

          Es kommt selbstverständlich vor, dass man als Angehöriger einer Minderheit schlecht behandelt wird. Gehört man aber einer geschützten Minderheit an, erhält man gleichzeitig Privilegien. Pech hat man nur, wenn der politische Zeitgeist die eigene Minderheit nicht als schützenswert ansieht. Ich bin zum Beispiel libertär und halte die Bibel für wahr. Schon eine dieser beiden Eigenschaften kann im Berufsleben zu erheblichen Nachteilen führen. Warum schreibe ich hier wohl unter einem Pseudonym? Ich habe nur die Nachteile der Minderheitenzugehörigkeit, nicht die Vorteile, da es weder Libertären- noch Christenquoten gibt.

          Allerdings ist das letzte, was ich nun tun werde, nach dem Staat zu rufen. Soll ich mir wünschen, dass ich aufgrund meiner politischen Einstellung irgendeine Arbeitsstelle bekomme? Ist es wirklich schön, wenn Menschen mir gegenüber wegen meines Glaubens lieb Kind machen, aber nicht deshalb, weil sie meinen Glauben schätzen würden, sondern weil sie Angst vor Sanktionen im Falle von Glaubenskritik haben? Auf keinen Fall! Ehrliche Feinde sind mir lieber als heuchlerische Freunde.

          Antwort
          1. Muriel

            Das mag alles richtig sein, aber ich hab ja auch ganz andere Textstellen zitiert und kritisiert …

            Findest du die denn okay? Du schreibst ja selbst, dass es entgegen der von mir aus dem verlinkten Text zitierten These auch heute noch manchmal von Nachteil ist, Minderheiten anzugehören. Dann stimmst du mir doch im Grunde zu, dass da ein Problem ist?

            Antwort
            1. Kokospalme Autor

              Llarian schreibt wörtlich, dass es heute nicht mehr von Nachteil ist, einer Minderheit anzugehören. Das ist so nicht korrekt, da man wegen Zugehörigkeit zu einer Minderheit sehr wohl benachteiligt werden kann.

              Da es aber eben auch Minderheitenbevorzugung gibt, stellt sich die Frage, ob die Angehörigen gewisser Minderheiten unterm Strich benachteiligt oder bevorzugt werden. Geht es zum Beispiel einem Schwulen letztendlich besser, wenn er sich abfällige Bemerkungen von seinem Nachbarn anhören muss und gleichzeitig dank AGG eine Arbeitsstelle bekommt, die er als Heterosexueller nicht bekommen hätte? Das ist vielleicht keine sehr sinnvolle Frage, da man solche Sachen schwer gegeneinander aufwiegen kann. Und viel besser wäre es ja, wenn es beide Sachen nicht gäbe.

              Eine andere Frage ist, ob es nicht auch in Ordnung sein kann, wenn man Angehörige von gewissen Minderheiten benachteiligt. Ich denke zum Beispiel, dass es durchaus richtig sein kann, einen Verfechter einer aggressiv-expansionistischen Ideologie, wie sie meines Wissens der konsequente Islam darstellt, zu benachteiligen, zum Beispiel aufgrund von Sicherheitsbedenken. Wichtig ist mir dabei allerdings, dass man Menschen immer als Menschen wertschätzt, auch wenn man ihre Ideologien ablehnt.

              Antwort
              1. Kokospalme Autor

                Der folgende Kommentar von Muriel war leider an der falschen Stelle im Diskussionsbaum gelandet, weswegen ich ihn hier, an der richtigen Stelle, wiedergebe:

                Ja, das sind sicher interessante Fragen, aber bei mir kommt es so rüber, als würde ihn die Antwort eigentlich nicht interessieren. Und deine Formulierungen finde ich auch etwas problematisch, weil du als einziges Beispiel für die Probleme homosexueller Menschen nennst „wenn er sich abfällige Bemerkungen von seinem Nachbarn anhören muss“, während es ja weitaus klarere Benachteiligungen gibt, sogar gesetzliche, und gleichzeitig als Vorteil sagst, dass die Person „dank AGG eine Arbeitsstelle bekommt, die er als Heterosexueller nicht bekommen hätte“, was ja vielleicht in der Realität schon mal vorkommt, aber zumindest eine falsche Anwendung des AGG wäre, weil es weder dessen Ziel ist, noch aus dem Regelungsgehalt herleitbar.

                Aber ich denke, wir haben weitgehend gesagt, was wir einander zu sagen hatten und können das Gespräch allmählich abschließen. Deshalb danke ich dir schon mal für deine Antworten und verabschiede mich. Alles Gute noch.

                Antwort
                1. Kokospalme Autor

                  Ich denke auch, dass wir im Großen und Ganzen gesagt haben, was wir einander zu sagen hatten. Wir könnten jetzt zwar noch weiter ins Detail gehen und zum Beispiel über gesetzliche Benachteiligung von Homosexuellen reden, aber ich vermute, das würde keine wesentlichen neuen Erkenntnisse liefern. Also diskutieren wir vielleicht mal wieder zu einem anderen Artikel. 🙂

                  Antwort

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