Es geht weiter

Mehr als vier Jahre habe ich nun mit dem Bloggen pausiert, unterbrochen nur von einer Artikelveröffentlichung im Mai 2013. Diese vier Jahre waren für mich eine schwere Zeit mit massiven Umbrüchen. Nun bin ich aber entschlossen, diesem Blog neues Leben einzuhauchen.

Neues Motto

Mein Blog hat jetzt ein neues Motto, welches meine persönlichen Veränderungen der letzten Jahre widerspiegelt. Aus „evangelikal und libertär“ wurde „Gnade und Freiheit“. Warum?

„Gnade“ statt „evangelikal“

Bereits vor meiner Auszeit vom Bloggen war ich kein typischer Evangelikaler. Inzwischen habe ich allerdings das Blog Konsequente Gnade kennengelernt, welches meinen Glauben grundlegend verändert hat. War ich früher der Meinung, ich müsste als Christ Gott meine Loyalität beweisen, so glaube ich jetzt, dass Gottes Liebe, Zuwendung und Hilfe unabhängig von meinen Taten sind.

Damit stehe ich nun wohl außerhalb der evangelikalen Bewegung, da diese durch eine – mitunter subtile – Gesetzlichkeit gekennzeichnet ist. Manche Evangelikale sind zwar bereit, sehr weitreichende Konsequenzen aus Jesu Erlösungswerk zu ziehen, schrecken aber davor zurück, den letzten Schritt zu gehen.

Wenn ich mich konfessionell einordnen müsste, würde ich mich immer noch als evangelikal bezeichnen, da mich mit den Evangelikalen am meisten verbindet. Aber eigentlich bin ich nicht mehr evangelikal. Dafür ist die Gnade Gottes die Grundlage meines Lebens schlechthin. Deshalb heißt es nun „Gnade“ statt „evangelikal“.

„Freiheit“ statt „libertär“

Libertär bin ich immer noch. Meine Liebe zur Freiheit ist aber umfassenderer geworden. Das konsequente Leben aus Gottes Gnade schenkt eine unglaubliche Freiheit von religiösem Druck, die ich nicht mehr missen möchte. Deshalb heißt es nun „Freiheit“ statt „libertär“.

Wie geht es weiter?

Mein Ziel ist es, etwa ein bis zweimal pro Woche einen Artikel zu schreiben. Ob ich das zeitlich schaffe, muss ich im Einzelnen sehen. Auf alle Fälle möchte ich wieder regelmäßig Zitate der Woche veröffentlichen und gegebenenfalls kommentieren. An Ideen dafür mangelt es nicht. Ich habe bereits eine längere Liste von möglichen Zitaten, die zum größten Teil noch aus der Zeit vor meiner Blog-Pause stammen.

Auf jeden Fall freue ich mich auf den Austausch mit dir, lieber Leser. Auch kontroverse Diskussionen sind willkommen, denn sie liefern neue Erkenntnisse. Ich schätze eine klare Argumentation ohne Tabus. Schauen wir, was die Zukunft bringt.

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6 Gedanken zu „Es geht weiter

  1. bruderklaus

    Schön zu sehen, dass sich hier etwas tut! Als ich vor wenigen Jahren zum Libertarismus fand, suchte ich eifrig nach Evangelikalen in der Szene. Dabei bin ich auf diesen Blog gestoßen, der war da allerdings bereits inaktiv. Also, wunderbar, dass sich das ändert!

    Gegenüber dem Antinomianismus habe ich sicher einige Vorbehalte. Was ist das Gesetz? Das ist der offenbarte Wille Gottes für unser Leben. Das Problem mit dem Gesetz ist, dass es uns als Sünder entlarvt. Tagtäglich. Im traditionell lutherischen Gottesdienst wurde bewusst eine Gesetzeslesung vorgenommen, damit danach das Evangelium umso stärker scheinen konnte. Ich empfinde kein größeres Glücksgefühl als den Moment, wenn ich meine Sünde erkenne und im selben Augenblick weiß, dass ich geborgen in Gottes Arm bin. Aber sollen wir denn nicht Gottes Willen tun? Römer 6,15: „Was nun, sollten wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne!“ Was ist denn sündigen? Gesetzesübertretung. Na selbstverständlich ist es unser Ziel, nicht zu sündigen, also nach Gottes Willen zu leben.

    Das Missverständnis, dem die Antinomianer verfallen sind, ist Folgendes: Paulus spricht von der Rechtfertigung durch den Gesetzesgehorsam. „Tu diese Dinge und du wirst leben!“. Nun, niemand wird so gerechtfertigt. Römer 3,20: „Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Hat Paulus etwas gegen Appelle? Nee, er verwendet doch selbst welche! Römer 12,9: „Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.“ Galater 5,16: „Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen.“

    Öffnen Sie sich doch lieber für die historisch-reformierte Lehre. Wir glauben, dass kein echter Christ vom Glauben abfallen kann. Wir glauben, dass kein echter Christ ohne Frucht sein kann. Wir glauben, dass die Erlösung ein alleiniges Werk der Gnade Gottes ist, von Anfang bis Ende, ohne wenn und aber. Und wir verstricken uns nicht in Widersprüche, die das die Antinomianer tun.

    MfG

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, einen gleich gesinnten oder zumindest ähnlich gesinnten Leser zu haben.

      Auf Ihre Ausführungen zum Antinomianismus werde ich innerhalb der nächsten Tage noch eingehen. Momentan fehlt mir dazu ein bisschen die Zeit.

      Antwort
    2. Kokospalme Autor

      Wie versprochen, möchte ich etwas zu meiner Sicht der konsequenten Gnade schreiben, welche man als eine Spielart des Antinomianismus ansehen kann.

      Aufgrund ihrer Ausführungen bekomme ich den Eindruck, dass wir viele Dinge ähnlich sehen, aber unsere Meinungen bei der Rolle des Gesetzes auseinandergehen. Was ist nun ein Gesetz? Ein Gesetz ist eine Forderung, die von außen an einen herangetragen wird. Ein Gesetz muss man erfüllen, selbst wenn man es nicht erfüllen will. Verstößt man gegen das Gesetz, muss man Sanktionen fürchten.

      Kommt man zum Glauben an Jesus Christus, so werden einem nicht nur die Sünden vergeben, sondern man bekommt auch eine neue Natur. Diese neue Natur ist mit Gott im Einklang. Daher muss ein Christ lediglich seine neue Natur zur Entfaltung bringen, um nach Gottes Willen zu leben. Druck durch Gesetz ist dafür nicht nötig. Er ist sogar schädlich, denn zum einen lenkt er vom Ausleben der neuen Natur ab und zum anderen erzeugt er Verhalten, welches nicht von Herzen kommt, und führt damit zur Heuchelei.

      Paulus schreibt, dass die Befolgung des Gesetzes einen Menschen nicht errettet. Er bleibt aber nicht dabei stehen, sondern sagt, dass ein Erretteter nicht unter Gesetz ist. Ein Christ sieht sich also keinen Forderungen gegenüber, denen er entsprechen müsste. Die Aufforderungen des Paulus verstehe ich deshalb nicht als Gesetz, bei dessen Nichtbeachtung Sanktionen verhängt würden, sondern als Anleitung zum konkreten Ausleben des neuen Lebens.

      Tatsächlich untermauert der von Ihnen zitierte Vers Galater 5,16 meine Thesen, wenn man ihn im Zusammenhang betrachtet. Paulus schreibt dort wie gesagt: „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.“ Was aber ist mit „Geist“ und „Fleisch“ gemeint? Die Antwort liefert Galater 3,2–3. Dort schreibt Paulus den galatischen Christen, die Teile des Gesetzes erfüllen wollten, folgendes:

      Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?

      Paulus assoziiert hier „Geist“ mit „Glauben“ und „Fleisch“ mit „Gesetz“. Seine Aufforderung, im Geist zu wandeln, ist also eine Aufforderung, aus Glauben zu leben und die Beachtung von Gesetzesregeln sein zu lassen. Außerdem macht er deutlich, dass ein Leben unter Gesetz die üblen Begierden erst richtig aufleben lässt, denn es sind Begierden des Fleisches und der gesetzliche Weg ist ein Weg des Fleisches. Das passt auch zu seiner Aussage in Römer 7,9: „Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf[.]“

      Sie schreiben, dass uns das Gesetz als Sünder entlarvt. Dem kann ich nur eingeschränkt zustimmen. Das Gesetz entlarvt Ungläubige als Sünder. Wer dagegen an Jesus Christus glaubt ist, wie beschrieben, nicht mehr unter Gesetz, aber er ist auch kein Sünder mehr, denn Paulus spricht gegenüber den Christen in Rom von der Zeit, „als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8). Außerdem schreibt Paulus an Timotheus (1. Timotheus 1,8–11):

      Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht, indem er dies weiß, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder […].

      Das Gesetz ist also nicht für Christen, denn ein Christ ist gerechtfertigt und damit ein Gerechter.

      Was sind denn Ihrer Meinung nach die Widersprüche, in denen sich die Antinomianer verstricken?

      Antwort
      1. bruderklaus

        Ein Gesetz muss man erfüllen, selbst wenn man es nicht erfüllen will. Verstößt man gegen das Gesetz, muss man Sanktionen fürchten.

        Ganz richtig. Und wie ist das als Christ? Übertreten wir die Verordnungen des Gesetzes? Ja, natürlich! Und dann kommt die Verdammnis? Nein, es gibt keine Verdammnis für diejenigen, die in Christus Jesus sind. Und warum? Weil Jesus die Sanktionen getragen hat. Ich denke, da sind wir uns einig.

        Aber einmal ganz grundsätzlich: Es ist jedem Menschen geboten, Gott gehorsam zu sein. Man kann ja nur gehorsam sein, wenn man weiß, was er will, richtig? Und die Zusammenfassung seines Willens sind die Zehn Gebote. Was heißt es dann, „unter Gesetz“ zu sein? Galater 3,10–14:

        Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“. Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“ Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist – denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!“ –, damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme, damit wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen.

        Für Paulus ist der Begriff „Gesetz“ häufig identisch mit einem Konzept der Rechtfertigung aus Gesetzesgehorsam und der Sanktion bei Ungehorsam. Wir sind uns doch völlig einig, dass Christen nicht unter diesem Konzept stehen. Was Reformierten aber wichtig ist, ist der Hinweis darauf, dass das, was das Gesetz fordert, gut ist. Und seitdem wir nicht mehr „unter dem Gesetz“ stehen, hat sich nichts daran geändert, dass die Forderung des Gesetzes gut ist. Und Paulus sieht das genauso. Römer 13,8–10:

        Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren“, und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.

        Also: Wir werden nicht durch das Gesetz gerechtfertigt, noch erleiden wir seine Sanktionen als Christ. Aber es ist unsere Aufgabe, als gerechtfertigte Sünder, durch den Heiligen Geist Werke der Gerechtigkeit zu tun, die Gott gefallen. Und ob wir das tun, ist ein gewichtiger Hinweis darauf, ob wir wirklich in Christus und in seinem Licht sind. 1. Johannesbrief 2,4–11:

        Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit. Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist. Geliebte, nicht ein neues Gebot schreibe ich euch, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt. Wiederum schreibe ich euch ein neues Gebot, das, was wahr ist in ihm und in euch, weil die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht schon leuchtet. Wer sagt, dass er im Licht sei, und hasst seinen Bruder, ist in der Finsternis bis jetzt. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht, und nichts Anstößiges ist in ihm. Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat.

        Der Irrtum der Antinomianer liegt darin, dass sie das Kind mit dem Bade ausgießen. Der Wille Gottes ist gut und allgemeingültig, es hat sich schlicht unser Verhältnis zu ihm verändert. Und wir nennen ihn Gesetz/Gebot, weil die Bibel es selbst tut (siehe Römer 13 und 1. Johannesbrief). Dabei sind wir uns durchaus bewusst, dass das bei einer unreflektierten Bibellese leicht zu Missverständnissen führen kann, weshalb es ja auch so unendlich viele Lehrmeinungen beim Thema „Gesetz – Gnade“ gibt …

        Wenn Sie die Zeit haben, hören Sie sich doch die Predigt zu 1. Timotheus 1,8–11 von Samuel Waldron an. Das ist eine gute Repräsentation der reformierten Lehre.

        Gottes Segen!

        Antwort
        1. Kokospalme Autor

          Dankeschön für Ihren Kommentar. Inzwischen habe ich mir nicht nur zu Ihren Ausführungen Gedanken gemacht, sondern habe mir auch die von Ihnen empfohlene Predigt zu 1. Timotheus 1,8–11 angehört. Auf die Predigt werde ich in einem späteren Kommentar noch eingehen, Ihren Kommentar möchte ich an dieser Stelle beantworten.

          Ich denke nicht, dass wir uns völlig einig sind, dass wir Christen bei Ungehorsam keine Sanktionen zu fürchten haben. Wenn ich das richtig sehe, verwenden Sie die Begriffe „Sanktionen“ und „Verdammnis“ synonym. Verdammnis ist aber nur die Höchststrafe. Eine Sanktion kann auch ganz allgemein der Entzug von Segen sein. Und Segensentzug bei Sünde ist etwas, dass einem in evangelikalen Kreisen häufig angedroht wird. Glauben Sie, dass wir auch vor derartigen Sanktionen sicher sind oder nur vor Verdammnis?

          Ich bleibe dabei, dass sich das Gesetz nicht an Christen richtet. In Galater 3,19 heißt es: „Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt – bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt […].“ Das Gesetz hatte also nur so lange eine Berechtigung, bis Jesus kam.

          Und warum sollte ein Gesetz auf einmal als Lebenregel gelten? Ein Gesetz hat immer zwei Teile: Zum einen sagt es, wie man sich verhalten soll, zum anderen sagt es, was die Strafe für Regelverstöße ist. Warum sollte für Christen der erste Teil weiterhin gelten, der zweite aber nicht? Das Gesetz würde nicht mehr als Gesetz verwendet, was paradox wäre.

          Wie halten Sie es mit Paulus’ Aussage, dass einem Christen alles erlaubt ist (1. Korinther 6,12 und 10,23)? Was ist, wenn Sie sich mal an ein bestimmtes Gebot nicht halten wollen? Verstoßen Sie dann gegen dieses Gebot, ohne Angst vor Sanktionen zu haben, oder halten Sie das Gebot trotzdem und heucheln damit Gehorsam?

          Wenn Sie die Zehn Gebote als die Zusammenfassung von Gottes Willen betrachten, halten Sie dann auch den Sabbat? Und was ist mit den anderen Forderungen des Mosaischen Gesetzes, die ja nach Ihrer Meinung zum guten, allgemeingültigen Willen Gottes gehören müssten? Verzichten Sie auf Schweinefleisch? Tragen Sie nur Kleidungsstücke aus gleichem Stoff? Nehmen Sie an Steinigungen teil?

          Antwort
          1. Kokospalme Autor

            bruderklaus hat mir auf meinen Kommentar geantwortet. Leider gab es mit der Veröffentlichung des Kommentars Probleme, sodass ich dessen Inhalt jetzt selbst einstellen muss. Hier ist er:

            Sanktionen für Sünde

            Ich würde meinen, dass Sünde zerstörerische Folgen für das irdische Leben in sich trägt und Gott uns diese auch nicht alle erspart. Wenn ich beispielsweise ein Kettenraucher gewesen bin, werde ich nicht automatisch eine gesunde Lunge haben, wenn ich damit aufhöre. Wenn du dauerhaft fremd gehst, wird Gott dich während dieser Zeit auch nicht so zur Aufrichtung seine Reiches nutzen können, wie wenn du es sein lässt. 1. Johannes 3,21–22 stellt auch eine gewisse Korrelation zwischen Gebet und einem gottgefälligen Handeln her. Aber so ein Segen-Fluch-Denken wie im AT kann ich im NT nicht erkennen.

            Galater 3,19

            Ich habe bereits oben beschrieben, wie ich aus dem Kontext den Gesetzesbegriff bei Paulus verstehe, nämlich [als] ein Konzept der Rechtfertigung aus Gesetzesgehorsam und der Sanktion bei Ungehorsam (Tod). Unter diesem Zuchtmeister sind wir nicht länger. Galater 5,23 impliziert doch aber, dass das Gesetz nichts gegen die Früchte des Geistes einzuwenden hat. Die Römer-13-Stelle lehrt, dass die Nächstenliebe das Gesetz erfüllt. Das Gesetz existiert noch da draußen. Aber wie ich schrieb: Unser Verhältnis zu ihm hat sich geändert.

            Charakter des Gesetzes

            Der Begriff „nomos“ wurde von vielen Christen in einem Sinne des griechischen oder römischen Rechts verstanden, was nicht dem hebräischen Wort „torah“ entspricht. Lesen Sie doch einmal Psalm 1, wo der Autor ein Loblied auf das „Gesetz“ anstimmt. Ganz zu schweigen von dem genialen Psalm 119. Nehmen wir mal diese Verse (33-36):

            Lehre mich, HERR, den Weg deiner Ordnungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende. Gib mir Einsicht, und ich will dein Gesetz bewahren und es halten von ganzem Herzen. Leite mich auf dem Pfad deiner Gebote! Denn ich habe Gefallen daran. Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zum Gewinn!

            Das ist doch ein Verlangen, das wir als Christen vollkommen teilen! Oder der Vers 72:

            Lieber ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Gold- und Silberstücken.

            Also, beim Lesen geht mir da das Herz auf! Das Gesetz enthält an vielen Stellen das besagte Werkeprinzip. Wenn wir erkennen, dass Jesus dieses Werkeprinzip erfüllt hat, indem er dem Gesetz vollkommen gehorsam war und so als gerecht erkannt wurde und unsere Strafe für den Gesetzesbruch trug, dann bleibt noch immer der Wille Gottes stehen, befreit vom Werkeprinzip. Und dieser Wille Gottes ist wundervoll und begehrenswert. Wir wollen doch darin leben! Und so verstehe ich auch Paulus und die restlichen Autoren des NTs.

            1. Korinther 6,12 und 10,23

            Zitiert Paulus an diesen Stellen nicht zynisch eine Ansicht, die die Korinther gern zur Verteidigung ihrer Lebenspraxis vorschieben? Und in beiden Passagen schränkt er diese „Freiheit“ ein: „Unzucht ist Sünde, das dürft ihr nicht tun! Euren Brüdern zum Anstoß zu werden, ist lieblos und Sünde, das dürft ihr nicht tun!“ Also, er sagt an diesen Stellen keineswegs: „Hey, ihr dürft Hurerei betreiben und lieblos mit euren Brüdern umgehen, das ist euch alles erlaubt!“ Nein, das geht völlig an seiner Aussage vorbei.

            Halten des Gesetzes

            Es ist völlig irrelevant, was ich will. Gottes Wille zählt. Wenn ich nicht will, dann sollte ich zu Gott flehen, dass er diese fleischliche Haltung von mir nimmt und mich leidenschaftlich macht, seinen Willen zu tun. Augustin schreibt in seinen Bekenntnissen folgenden Gebet, das ich völlig unterschreiben kann: „Gib, was du befiehlst, und befiehl, was du willst.“

            Zehn Gebote

            Ja, die sind eine komprimierte Zusammenfassung von Gottes Willen. Der Wille Gottes ist über die gesamte Schrift ausgespannt. Also, Gott hat uns sozusagen noch eine große, fette Auslegung der Zehn Gebote geschenkt, die ich jetzt auch nicht wegreden möchte. Die ist notwendig. Ihre anderen Ausführungen zum Mosegesetz zeugen dann aber doch von einem Unverständnis der reformierten Position.

            1. Ja, Reformierte glauben daran, dass der Sabbat geheiligt werden sollte. Mehr dazu finden Sie im Westminsterbekenntnis (1646) / Baptistenbekenntnis (1689). Bevor Sie hier Strohmänner aufrichten, lesen Sie sich doch die Passage zum Tag des Herrn durch. Ich muss aber auch anmerken, dass es unterschiedliche Positionen bei der Frage gibt, was „Feiertag heiligen“ praktisch heißt! 😉

            2. Im Bekenntnis finden Sie auch die Unterscheidung zwischen dem moralischen, juristischen und zeremoniellen Gesetz. Allein das moralische Gesetz ist zeitlos gültig. Woraus ich übrigens auch meine Position zum Staat herleite! Dazu weise ich auf diese großartige Webseite hin: http://reformedlibertarian.com/

            Grüße!

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