Privatschule für Arme

Ist Privatschulbesuch wirklich ein Luxusgut, wie es uns immer wieder weisgemacht werden soll? Das Buch Das Ende der Armut zeigt, dass das keinesfalls so sein muss. Mario Fleischmann schreibt in seiner Rezension dieses Buches in ef 130 folgendes:

Besonders beeinduckend ist das Kapitel über den Erfolg privater Bildungsunternehmer in Drittweltländern. Der verarmte Slum Makoko im afrikanischen Nigeria ist vermutlich der letzte Ort, an dem man eine Bildungsrevolution erwarten würde. Doch genau dort verlassen die Eltern in Scharen das staatliche Bildungssystem. Die privaten Schulen erzielen erheblich bessere Resultate und sind trotzdem billiger. Selbst die ärmsten Familien können sich die vier Dollar pro Monat leisten, um ihr Kind dorthin zu schicken. Über zwei Drittel der Kinder in Makoko gehen auf ein Privatschule. Waisenkinder werden sogar umsonst unterrichtet – niemand schickt sie einfach weg. In der Dritten Welt ist der innovative Trend zu privater Bildung bereits stark im Gange. Viellieicht schwappt er bald in den Westen über.

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8 Gedanken zu „Privatschule für Arme

  1. U.-N. D.-Meister

    Private Schulen sind trotzdem billiger? Waisenkinder werden sogar umsonst unterrichtet? Inwieweit sollte das für „den Westen“ relevant sein, wo ja bereits Schule für alle kostenfrei ist?

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Schule ist eben auch im Westen nicht kostenfrei. Sie wird von den Steuerzahlern finanziert. Würde man das Schulwesen privatisieren und gleichzeitig die Steuern um den dadurch eingesparten Betrag senken, wäre Bildung billiger. Schließlich verbrauchen staatliche Schulen weitaus mehr Geld pro Schüler und Jahr als private Schulen, wie ich bereits in meinem Artikel Privatisierung des Schulwesens erwähnt habe. Das ist auch gar nicht verwunderlich, da die Steuerfinanzierung von Bildung letztlich kommunistisch ist. Sie ist es, da sie nach Karl Marx’ Prinzip „Jeder nach seinen Möglichkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ funktioniert. Und Kommunismus führt nun mal ins wirtschaftliche Desaster.

      Antwort
  2. U.-N. D.-Meister

    Also fangen wir mal an, das Ganze sachlich zu betrachten:

    Schule wird „im Westen“ erst einmal prinzipiell kostenfrei zur Verfügung gestellt. (Ich lasse mal den Aspekt der Kosten für Schulmaterial außen vor, denn die fallen auch bei Privatschulen an.) In Deutschland zahlt jedoch niemand explizit irgendwelche Gebühren für den Schulbesuch einer öffentlichen Schule an sich. Weder Waisenkinder noch andere Kinder oder deren Familien. Das ist erst einmal Fakt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Schule an sich kostenfrei ist, irgendwie muss Schule finanziert werden, da sind wir uns einig. Aber das wird in der zitierten Aussage von Mario Fleischmann überhaupt nicht thematisiert. Hier werden Aspekte als für „den Westen“ vorbildlich präsentiert, welche „im Westen“ eigentlich Standard sind. Und das ist Unsinn.

    Zu ihren weiteren Aussagen:

    Eine nicht staatlich bezuschusste Privatschule in Deutschland kostet (je nach Quelle und Angebot, ich habe jetzt keine umfassende Marktrecherche durchgeführt) zwischen 3600 € und 9600 € im Jahr. Bei den Ausgaben des Staates für öffentliche Schulen findet man Angaben zwischen 4200 € bis 6300 € pro Jahr pro Schüler. Ich kann hier nicht erkennen, dass „staatliche Schulen weitaus mehr Geld pro Schüler und Jahr ausgeben als private Schulen“.

    Ich kann ebenfalls leider nicht nachvollziehen, anhand welcher Kriterien Sie die Steuerfinanzierung von Bildung letztlich als kommunistisch kategorisieren. Immerhin gab es das bereits im Dritten Reich und heute in allen Demokratien der „westlichen Welt“. Auch halte ich die Relevanz der politischen Einordnung für fraglich.

    Aber setzen wir hier einmal an, und gehen gedanklich von der kommunistischen Bildungsfinanzierung weg. Angenommen man schaffte die staatlich finanzierte Schule ab. Jeder Schüler bzw. deren Eltern müsste dann, nehmen wir mal den niedrigsten Betrag, 3600 € im Jahr (300 € im Monat), für eine private Schule bezahlen. Die gesamten Bildungsausgaben, die sich heute so „kommunistisch“ auf alle verteilen, verteilen sich dann bei 11 Mio. schulpflichtigen Kindern auf 8 Mio. Haushalte. Bei einem Durchschnittshaushaltsnettoeinkommen von ca. 3000 € im Monat muss sich eine Familie dafür mit durchschnittlich 413 € im Monat ganz schön krumm machen. Heute landen 5,2 % des gesamten staatlichen Haushalts in der Bildung (nicht nur Schule). In Deutschland liegt die durchschnittliche Steuerlast bei 50 %. Das bedeutet, der oben genannte Durchschnittshaushalt steckt heute von seinem Einkommen 78 € in die Bildung der Kinder. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, dass gerade das durchschnittliche Einkommen eines Haushalts mit Kindern geringer ist, als das von der Gesamtbevölkerung, und Familien mit Kindern eine deutlich geringere Steuerlast tragen.
    Aber selbst im blauäugigst für ein privatisiertes Schulsystem gerechneten Fall kann man als Kind nur hoffen, dass man ein Waisenkind ist …

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Bitte beachten Sie das, was über dem Kommentarfeld geschrieben steht: „Zum Antworten auf einen anderen Kommentar bitte dort auf ‚Antwort‘ klicken“. Nur so werden Antworten eingerückt unter dem beantworteten Kommentar dargestellt. Ich lege großen Wert darauf, dass auf diese Weise die Diskussionsstruktur sichtbar ist. Leider ist es mit WordPress nicht möglich, Kommentare im Nachhinein an eine andere Stelle zu verschieben, sodass ich hier auf die Mitwirkung meiner Leser angewiesen bin.

      Antwort
    2. Kokospalme Autor

      Schule wird „im Westen“ erst einmal prinzipiell kostenfrei zur Verfügung gestellt. […] In Deutschland zahlt […] niemand explizit irgendwelche Gebühren für den Schulbesuch einer öffentlichen Schule an sich. […] Aber das wird in der zitierten Aussage von Mario Fleischmann überhaupt nicht thematisiert. Hier werden Aspekte als für „den Westen“ vorbildlich präsentiert, welche „im Westen“ eigentlich Standard sind. Und das ist Unsinn.

      Die Frage ist, was Mario Fleischmann damit meint, dass in Nigeria private Schulen billiger sind als staatliche. Ich vermute, er spricht hier nicht von explizit zu zahlenden Gebühren, sondern von den Kosten, egal, ob diese durch Schulgeld oder Steuergeld gedeckt werden.

      Ich kann ebenfalls leider nicht nachvollziehen, anhand welcher Kriterien Sie die Steuerfinanzierung von Bildung letztlich als kommunistisch kategorisieren. Immerhin gab es das bereits im Dritten Reich und heute in allen Demokratien der „westlichen Welt“. Auch halte ich die Relevanz der politischen Einordnung für fraglich.

      Warum ich die Steuerfinanzierung von Bildung als kommunistisch betrachte, habe ich in meinem obigen Kommentar bereits erklärt. Dass es sie zum Beispiel auch in den heutigen westlichen Staaten gibt, widerspricht dem nicht, sondern es zeigt, dass diese Staaten kommunistische Elemente beinhalten. Relevant ist das schon, da es zeigt, dass die westlichen Staaten die Rechte ihrer Bürger nicht vollumfänglich achten.

      Eine nicht staatlich bezuschusste Privatschule in Deutschland kostet […] zwischen 3600 € und 9600 € im Jahr. Bei den Ausgaben des Staates für öffentliche Schulen findet man Angaben zwischen 4200 € bis 6300 € pro Jahr pro Schüler. Ich kann hier nicht erkennen, dass „staatliche Schulen weitaus mehr Geld pro Schüler und Jahr ausgeben als private Schulen“.

      Mit meiner Aussage berief ich mich auf Studien aus den USA. Wenn Ihre Zahlen stimmen, dann kosten private und staatliche Schulen in Deutschland ungefähr das Gleiche, wobei die Qualität von Privatschulen im Allgemeinen deutlich höher ist.

      Nun zu ihrer detailierten Rechnung:

      Laut Ihren Zahlen würden bei vollständiger privater Finanzierung von Bildung Eltern durchschnittlich 413 € für den Schulbesuch ihrer Kinder zahlen. Allerdings würden Sie weniger Steuern zahlen, da sie keine staatliche Bildung mehr finanzieren müssten. Weiterhin würden sie für die 413 € ein deutlich besseres Angebot bekommen als das einer jetzigen staatlichen Schule, da die Bildungsangebote aufgrund des Wettbewerbs bedarfsgerechter wären und die staatliche Bildungsbürokratie nicht finanziert werden müsste. Wenn sie sich also mit der Qualität der jetzigen staatlichen Schulen zufrieden geben würden, könnten sie zu einem deutlich billigeren Anbieter gehen und würden letztendlich deutlich weniger als die von Ihnen veranschlagten 413 € zahlen. Schließlich müssten die Eltern nur so lange Schulgeld zahlen, wie ihre Kinder in die Schule gehen. Danach würden sie mehr Geld einnehmen als jetzt, da sie ja weiterhin keine staatliche Bildung finanzieren müssten. Dadurch könnten sie die Mehrbelastung während der Schulzeit ihrer Kinder zumindest teilweise wieder ausgleichen.

      Wie die finanzielle Situation von Eltern bei privater Bildungsfinanzierung letztendlich aussehen würde, lässt sich nicht präzise vorhersagen. Auf jeden Fall sollte man nicht einfach mit gegenwärtigen Zahlen rechnen, da sich diese bei Änderung der Bildungsfinanzierung auch ändern würden.

      Schließlich sollte man auch beachten, dass es bei freiheitlichen Verhältnissen auch keine umlagefinanzierte Zwangsrente geben würde. Die Kinder von alten Menschen könnten also zum Beispiel ihre Eltern unterstützen und müssten nicht noch diejenigen Alten unterstützen, die selbst keine Kinder haben und damit in der Vergangenheit keine Ausgaben für Kinder (einschließlich Bildungsausgaben) hatten.

      Antwort
      1. U.-N. D.-Meister

        Ja, die Eltern würden weniger Steuern bezahlen, und zwar durchschnittlich die von mir erwähnten 78 €. Durchschnittlich! Der Realanteil am heutigen Bildungshaushalt ist bei der wirklichen Steuerlast von Familien effektiv deutlich niedriger. Dass die Kosten bei einem generell privat finanzierten Schulsystem nicht geringer sein können liegt doch auf der Hand. Wenn man die Bildungskosten auf 8 Mio. Haushalte statt auch 40 Mio. Haushalte verteilt, muss das staatliche System schon um den Faktor 5 teurer sein als ein privates. Auch basieren die 413 € auf dem niedrigsten zu findenden Beitrag für Schulen von 300 € pro Kind im Monat. Es gibt heute keinen deutlich billigeren Anbieter, und woher sollten irgendwelche Kostenverschiebungen kommen, die das ausgleichen. Bildung kostet halt, darum wird das ja durch Steuern auf alle verteilt. Beim teuersten haben wir fast den Faktor 3. Und eine Familie, welche 10 Jahre lang mit Mühe und Not das Schuldgeld ihres Kindes bezahlen konnte ist das nur ein Wehrmutstropfen, dass sie das nach der Schulzeit nicht mehr zahlen müssten.

        Antwort
        1. Kokospalme Autor

          Ihre Argumente sind im wesentlichen gut nachvollziehbar. Sie berücksichtigen aber nicht alle Effekte.

          Einen von Ihnen nicht berücksichtigten Effekt habe ich ja in meinem letzten Kommentar schon genannt: Private Bildung ist bei gleichem Preis von höherer Qualität als staatliche, sodass man für Bildung gleicher Qualität bei Privatschulen weniger zahlen muss, als staatliche Schulen kosten.

          Ein weiterer Aspekt sind die hohen Verwaltungskosten staatlicher Systeme. Stefan Blankertz schreibt in einem kürzlich auf ef-online erschienenen Artikel:

          Wie jedes Monopol ist auch das des Sozialstaates ineffizient, das heißt, im Gegensatz zu den privaten Alternativen fließen mehr der verfügbaren Mittel in die Verteilung als an die Betroffenen. Die Faustregel besagt, dass bei staatlicher Verwaltung zwei Drittel der Mittel für die Bürokratie aufgebracht werden müssen und nur ein Drittel für die Betroffenen zur Verfügung steht, in privaten Initiativen ist das Verhältnis dagegen umgekehrt.

          Nach der genannten Faustregel kostet also staatliche Bildung das dreifache dessen, was dem Schüler zugute kommt, private Bildung dagegen das anderthalbfache. Private Bildung ist also schon aufgrund der effizienteren Verwaltung nur halb so teuer wie staatliche Bildung.

          Wie sie richtig schreiben, erhöhen sich bei Verteilung der Bildungskosten auf 8 Mio. Haushalte statt auf 40 Mio. erst einmal die Kosten für die zahlenden Haushalte um den Faktor 5. Gehen wir nun aber von einer Halbierung der Gesamtkosten durch Senkung der Verwaltungskosten aus, ist der Faktor nur noch 2,5. Berücksichtigen wir, dass gleiche Qualität bei privaten Anbietern generell billiger zu haben ist als bei staatlichen, sinkt der Faktor auf vielleicht 1,5. Das ist schon gar nicht mehr so viel, gerade wenn man bedenkt, dass man für private Bildung nur solange zahlt, wie diese in Anspruch genommen wird.

          Egal, wie man es dreht und wendet, die Kosten für Bildung müssen gezahlt werden, auch bei staatlicher Bildung. Unter den gegenwärtigen Bedingungen haben Eltern lediglich das Glück, dass Kinderlose die Bildung ihrer Kinder mitfinanzieren, wobei ihre Kinder auch wiederum die Rente der Kinderlosen mitfinanzieren müssen. Alle Beteiligten haben aber das Pech, dass die Kosten aufgrund von Ineffizienz höher sind, als sie sein müssten.

          Schließlich muss man auch fragen, ob es moralisch gerechtfertigt ist, andere zu zwingen, für Kosten der eigenen Kinder aufzukommen. Ich meine, dass das nicht gerechtfertigt ist.

          Antwort

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