Privatisierung des Schulwesens

Der Blogger Zettel hat kürzlich einen Artikel Marginalie: Plädoyer für eine Privatisierung des Schulwesens veröffentlicht, dessen Lektüre ich empfehle. Zettel begründet darin nicht nur, warum auch beim Schulwesen Privatisierung wünschenswert ist. Er geht auch auf die gesetzliche Situation ein und berichtet über die praktischen Schwierigkeiten von Privatschulen mit der Bildungsbürokratie. Schließlich nimmt er sich noch die FDP zur Brust. Zitat:

Auch dieses wäre wieder einmal ein Thema für eine liberale Partei, die ihren Liberalismus ernst nimmt. Die FDP ist zu dieser Legislaturperiode als Steuersenkungspartei angetreten. Wo an staatlichen Ausgaben gespart werden soll, hat sie freilich nie so recht deutlich machen können. Ein Abbau des staatlichen Schulwesens zugunsten von Privatschulen wäre eine der vielen Möglichkeiten, Steuersenkungen nicht nur zu fordern, sondern auch zu zeigen, daß sie möglich sind.

In der Tat. Denn die staatlichen Zuschüsse an Privatschulen sind geringer als das, was der Staat den staatlichen Schulen als finanzielle Vollversorgung liefert. Und selbst wenn man das von den Eltern gezahlte Schulgeld mit einbezieht, sind Privatschulen immer noch billiger als staatliche Schulen. In den USA sind die Kosten pro Schüler bei staatlichen Schulen sogar doppelt so hoch wie bei privaten Schulen. Dies äußert Lew Rockwell in seinem Artikel What If Public Schools Were Abolished? und verweist dazu auf eine Beispielstudie.

Da die FDP nun aber keine richtig liberale Partei ist, darf man von ihr wohl auch nicht allzu große Schritte in Richtung eines Privatschulsystems erwarten. Die tatsächlich liberale Partei der Vernunft schreibt dagegen in ihrem Grundsatzprogramm:

Bildung ist von so großer Bedeutung, dass sie keinem politischen Einfluss unterliegen darf. Die Misere in diesem Bereich zeigt, was das staatliche Bildungsmonopol angerichtet hat. Ein Wettbewerb der Ideen zu Lehrinhalten, Lernmethoden und Schulmodellen ist dringend notwendig und führt zwingend zu einer Qualitätssteigerung des Bildungsangebots. Gleichzeitig sinken die Kosten. Eltern erhalten die Freiheit, für ihr Kind den optimalen Bildungsweg zu wählen.

Alle Bildungseinrichtungen finanzieren sich selbst, um eine Chancengleichheit aller Anbieter zu garantieren. Bedürftige Familien können Bildungsgutscheine erhalten, die sie bei einer Schule ihrer Wahl einlösen. Die Kommunen entscheiden über Bildungskredite oder Stipendien sowie die Erstattung von Gebühren bei guten Leistungen.

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6 Gedanken zu „Privatisierung des Schulwesens

  1. U.-N. D.-Meister

    Ich will eigentlich garnicht auf den Schund den Zettel inhaltlich von sich gibt eingehen – darüber mag man denken wie man will – sondern möchte gerne auf das Blendwerk manipulativer Argumente werfen.

    Eingestiegen wird beispielsweise mit dem Vergleich von Bildung und Produkten wie Autos und Juwelen. Diesen reißerischen Aufhänger als Vergleich von Äpfeln und Birnen zu zu titulieren ist fast schon eine Verharmlosung. Dass für etwas, was jedem Menschen in gleicher Form vom Staat garantiert zusteht, andere Voraussetzungen gelten als für irgendwelche Produkte, ist auch bei größter Vereinfachung des Sachverhaltes Fakt. Mal abgesehen davon, dass nicht einmal ansatzweise dargestellt wird, warum denn der Staat keine Brötchen backt, da hier sofort klar würde, dass dies mit Bildung nicht zu vergleichen ist.

    Des Weiteren wird anhand des Begriff Volksschule, wie er im Grundgesetz zu finden ist argumentiert. Nun ist es aber so, dass in Deutschland die Bildung Ländersache ist. Natürlich stimmt es, dass nach der Argumentation auch weiterführende Schulen in der Regel Privatschulen sein könnten, was das ganze noch lange zu keinem Argument macht, das dies auch so zu sein hätte.

    Einen großen Block der Argumentation fußt Zettel auf der Behauptung, dass Sparzwänge die Gefahr böten, dass staatliche Schulen nicht mehr ihre Aufgaben erfüllen können. Auch wird argumentiert, dass eine Privatisierung mit Post und Bahn genauso wunderbar geklappt hätte. Dass dies im Bereich der Post, Telekommunikation, Energie und Bahn in der Realität nicht so gut geklappt hat wie hier angedeutet wird, fällt einfach unter dem Tisch.

    Gegen Sparzwang lässt sich politisch noch was unternehmen – auch wenn selbst Leute, die nicht nur ideologisch verblendet sind, sondern wirklich was für Bildung tun wollen dennoch die falschen Parteien wählen – solange alles in staatlicher Hand ist. Aber wenn etwas so wichtiges wie Bildung in die Hände Gewinn orientierter oder ideologisch geprägter Organisationen gegeben wird, haben wir ein echtes Problem. Und was macht man, wenn das Unternehmen welchen Schulen betreibt in die Pleite geht?

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Okay, dann werde ich mir mal Ihre Argumente vornehmen. 😉

      Eingestiegen wird beispielsweise mit dem Vergleich von Bildung und Produkten wie Autos und Juwelen. […] Dass für etwas, was jedem Menschen in gleicher Form vom Staat garantiert zusteht, andere Voraussetzungen gelten als für irgendwelche Produkte, ist auch bei größter Vereinfachung des Sachverhaltes Fakt.

      Warum muss denn der Staat jedem Menschen Bildung garantieren? Er garantiert ja auch nicht jedem Menschen Nahrung. Und das, obwohl Nahrung viel grundlegender ist als Bildung.

      Im Übrigen ist es kein angenehmer Gedanke, dass Bildung jedem in gleicher Form zustehen soll. Ich habe es lieber bedarfsgerecht.

      Mal abgesehen davon, dass nicht einmal ansatzweise dargestellt wird, warum denn der Staat keine Brötchen backt, da hier sofort klar würde, dass dies mit Bildung nicht zu vergleichen ist.

      Warum ist das denn nicht mit Bildung zu vergleichen? Ich finde die Analogie zwischen Nahrung und Bildung sehr treffend. Nahrung wird am Markt erfolgreich produziert. Warum soll das mit Bildung nicht genauso klappen? Und es klappt ja auch überwiegend dort, wo man es zulässt.

      Des Weiteren wird anhand des Begriff Volksschule, wie er im Grundgesetz zu finden ist argumentiert. Nun ist es aber so, dass in Deutschland die Bildung Ländersache ist.

      Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

      Natürlich stimmt es, dass nach der Argumentation auch weiterführende Schulen in der Regel Privatschulen sein könnten, was das ganze noch lange zu keinem Argument macht, das dies auch so zu sein hätte.

      Bei den weiterführenden Schulen macht Zettel klar, dass das Grundgesetz dort Privatschulen erlaubt. Er sagt nicht, dass es Privatschulen vorschreiben würde, gibt darüber hinaus aber sehr wohl Argumente dafür, warum Privatschulen sinnvoll sind.

      Einen großen Block der Argumentation fußt Zettel auf der Behauptung, dass Sparzwänge die Gefahr böten, dass staatliche Schulen nicht mehr ihre Aufgaben erfüllen können.

      Wo lesen Sie eine solche Behauptung?

      Dass dies [d.i. Privatisierung] im Bereich der Post, Telekommunikation, Energie und Bahn in der Realität nicht so gut geklappt hat wie hier angedeutet wird, fällt einfach unter dem Tisch.

      Zum einen sehe ich nicht, dass Zettel das andeutet. Zum anderen sollte man sich die genaue Form der Privatisierung anschauen. Handelt es sich z.B. um eine Scheinprivatisierung wie bei der Deutschen Bahn, wo der Staat Alleineigentümer ist, oder handelt es sich um eine echte Privatisierung, wo private Eigentümer am Markt konkurrieren?

      Aber wenn etwas so wichtiges wie Bildung in die Hände Gewinn orientierter oder ideologisch geprägter Organisationen gegeben wird, haben wir ein echtes Problem.

      Wieso ist Gewinnorientierung ein Problem? Ein Schulanbieter, der Gewinn machen will, muss die Wünsche seiner Kunden erfüllen. Sonst ist es mit dem Gewinn ganz schnell Essig. Der Staat muss natürlich keine Rücksicht auf die Wünsche seiner „Kunden“ nehmen. Lediglich kurz vor der Wahl müssen Politiker mal ein paar vollmundige Versprechungen abliefern.

      Und was die ideologische Prägung anbelangt, so hat man das Problem gerade heute mit dem Staat als Bildungsmonopolisten, welcher der Masse seine ideologische Beeinflussung der Kinder aufdrückt. Bei einem Bildungsmarkt würde es auch Angebote für Eltern geben, die keine ideologische Bildung für ihre Kinder wollen.

      Und was macht man, wenn das Unternehmen welchen Schulen betreibt in die Pleite geht?

      Man macht das, was man immer in einer Marktwirtschaft macht: Man geht zu einem anderen Anbieter.

      Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Hmm, das gehört hier zwar thematisch überhaupt nicht hin, ich lasse es aber trotzdem mal stehen, als Beitrag für eine Liberalisierung des Waffenrechts. 😀

      Antwort
  2. U.-N. D.-Meister

    Warum muss denn der Staat jedem Menschen Bildung garantieren???
    Einige Worte vorweg: Wie soll man mit einem Menschen vernünftig diskutieren, der aus der einen Seite mit dem verfassungsmäßigen Recht auf Bildung für Privatschulen argumentiert, dieses auf der anderen Seite zu Gunsten unsinniger Vergleiche komplett in Frage stellt. (Im Übrigen ist es relevant, dass die Bildung in Deutschland Ländersache ist, denn diese Länder haben hierfür zusätzliche Punkte in die Landesverfassungen aufgenommen. Das gilt in jedem Fall zu betrachten, wenn man den schon seine Argumentation auf die Verfassung stellen möchte.) Ich will Ihre Frage an dieser Stelle einmal als Sarkasmus stehen lassen, da es sonst keinen Sinn machen würde, das hier weiter zu verfolgen. (Gerne brächte ich hier sonst folgendes sinngemäße Zitat mir unbekanntem Ursprungs an den Mann: „Lass Dein gegenüber das intellektuelle Niveau nicht soweit absenken, dass er Dich mit Erfahrung schlagen kann.“) Und bezüglich Nahrung würde ich dann auch einmal unter Menschenrechten nachschlagen. Ebenfalls im Übrigen: Ob man nun lieber bedarfsgerechte Bildung hätte –was auch immer das im Detail dann darstellen soll – ist für die Frage, was einem mindestens zusteht irrelevant. Ich bezog mich an dieser Stelle darauf, dass jeder ein „gleiches Recht“ (von mir bezeichnet als „in gleicher Form“) auf Bildung zusteht. Normalerweise schrieb ich an so einer Stelle immer etwas wie: Wir sind uns wohl einig, dass jedem Menschen dieses Recht zusteht, und dass der Staat nach Menschenrechten und Grundgesetzt dies zu garantieren und ermöglichen hat – und das war es was ich aussagen wollte. Aber bei Ihnen bin ich da nicht so sicher…
    Was nun den Unterschied von Nahrung und Bildung angeht – ich finde die Darstellung, Bildung würde als Gut produziert wirklich putzig; Kann man dann Bildung auch verbrauchen? – so gibt es grundlegende Unterschiede: Menschen / Kinder wissen bereits von Anfang an, dass Sie Nahrung benötigen, welche Nahrung ihnen gut tut – auch wenn sich das mit der Zeit ändert – und fordern diese selbstständig ein. Bildung ist ein Gut, bei welchem dem Menschen / Kindern – manchmal bis ins hohe Alter – überhaupt nicht klar ist, dass es benötigt wird. Die meisten Menschen sind in der Lage sich und Ihren Kindern ausreichende Nahrung und ordentlicher Qualität zukommen zu lassen – ja, hier mag man relativieren – deren Qualität zu beurteilen – und hier erst recht, aber da komme ich noch drauf – und den Kindern diese Fähigkeit zu vermitteln, soweit dies heutzutage möglich ist. Bei der Bildung ist dies nicht der Fall. Besonders die Beurteilung der Qualität ist den meisten Menschen nicht möglich, da sowohl zur methodischen als auch inhaltlichen Beurteilung Wissen notwendig ist, das über allgemeine Schulbildung hinaus geht. Bei der Vermittlung von Bildung sind sie auf andere Menschen angewiesen, und vor allen Dingen langfristig und nachhaltig. Und das ist das Wichtige. Wer über Jahre hinweg schlechte Bildung erhalten hat, der hat kaum noch eine Chance das nachzuholen. Und hier zeigen sich Fehler erst nach langer Zeit und sind schwer zu korrigieren. Sicher ist schlechte Nahrung über Jahre hinweg auch nicht gut, aber man kann jederzeit etwas daran ändern. Aber Bildung wird eben nicht produziert und konsumiert, sondern vermittelt und angesammelt. Wen mit 16 noch nicht den entsprechenden Bildungsstand erreicht hat, hat es im Leben schwer, selbst wenn er es noch nachholt. Und dass das eben nicht klappt, wo es in private Hände gelegt wird, haben aktuelle Ereignisse überdeutlich gezeigt. Dies geschieht eben, wenn man Bildung der Marktwirtschaft überlässt. Und dann hilft auch nicht, wenn die jetzt schließen / pleite sind, und man die Möglichkeit hat, den Anbieter zu wechseln. Die dort betroffenen Kinder haben erst einmal 2 Jahre Schule in den Sand gesetzt. Wenn private Eigentümer am Markt konkurrieren passiert nämlich genau das, an den Stellen, an denen der Konsument nicht ausreichend die Qualität prüfen kann wird gespart. Da passt der Vergleich mit der Nahrung dann wieder viel besser. Ich möchte nicht das Äquivalent von Kick-T-Shirts und Gammelfleisch in der Bildung erleben. Aber da ist es ja leider jetzt schon zu spät. Und deshalb ist Gewinnorientierung in der Bildung ein Problem. Und die deutsche Bahn, Telekom und Energieunternehmen sind ein gutes Beispiel dafür, wie Marktmacht zu überteuerten Produkten führt. Und das ist unabhängig davon, ob diese in privater Hand, oder in staatlicher Hand liegen. Ein private betriebenes Schulsystem welches der Marktwirtschaft unterworfen ist führt also zwangsläufig zu „überteuerter Gammel-Bildung“. Nur einige, die es sich leisten können oder Glück haben, werden dann noch in den Genuss von der Bildung kommen, die eigentlich alle erhalten sollten.

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