Der linke Chef der linken Kirche

Vor einiger Zeit kommentierte ich unter dem Titel Die Gedankenwelt des Kirchenchefs einige Aussagen des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Ich zog damals folgendes Resümee:

Schneider hat wahrscheinlich ein linkes Programm im Hinterkopf, dem er ein christliches Mäntelchen umhängt.

Diese Einschätzung wurde jetzt durch Schneider selbst zum Teil bestätigt. Laut eines kürzlich veröffentlichten idea-Artikels sieht sich Schneider als „links und fromm“. idea erklärt dazu:

Ein Lebensthema ist für den Sohn eines Stahlarbeiters das Eintreten für soziale Gerechtigkeit. So plädierte er wiederholt dafür, Vermögende stärker an den finanziellen Aufgaben des Staates zu beteiligen.

Diese zwei Sätze verdeutlichen sehr schön, was unter sozialer Gerechtigkeit verstanden wird. Es geht nicht um die freiwillige Hilfe aus der Motivation der Nächstenliebe, sondern es geht um das Einziehen von Geld im großen Stil durch den Staat, damit dieser seine zahlreichen angeblichen Aufgaben erfüllen kann. Das Soziale daran ist lediglich, dass ein kleiner Teil des Geldes den wirklich Hilfsbedürftigen zu Gute kommt, während der größte Teil zur Finanzierung fragwürdiger Projekte, ineffizienter Dienstleistungen, gescheiterter Unternehmen und eines gewaltigen bürokratischen Apparats sowie für viele andere ungute Dinge eingesetzt wird.

idea berichtet weiter, dass Schneider die Warnung von Papst Benedikt XVI. vor der Verweltlichung der Kirche kritisierte. Schneider begründete seine Kritik damit, dass Gott in Christus zur Welt gekommen ist und meinte dazu: „Deshalb leben wir unseren Glauben nicht weltfremd und nicht weltflüchtig, sondern weltverantwortlich und weltdurchdringend.“ Hmm, „weltverantwortlich“ und „weltdurchdringend“. Warum benutzen Theologen eigentlich so gern solche ungewohnten Wortkonstruktionen? Ich vermute, sie wollen, wie viele andere Geisteswissenschaftler auch, ihre Aussagen besonders intelligent klingen lassen und gleichzeitig deren oft fragwürdigen Kern vernebeln. Auch hinter Schneiders vernünftig klingender Aussage dürfte eine höchst fragwürdige Einstellung versteckt sein. Denn es ist ja in der Tat so, dass die Evangelische Kirche in Deutschland massiv verweltlicht ist in dem Sinne, dass sie einem antichristlichen Zeitgeist hinterher läuft und gleichzeitig Gott immer weniger, wenn überhaupt noch, respektiert. Mit einer Verantwortung für die Welt nach christlichen Maßstäben hat das aber nichts zu tun.

Und so geht es Schneider vermutlich wenig um Gottes Gerechtigkeit. Auf jeden Fall geht es ihm aber laut idea um eine „soziale und gerechte Gesellschaft“. Eine Gesellschaft also, in der normale Leute für die Förderung von Perversionen in Theatern, Jugendclubs und Schulen zur Kasse gebeten werden, Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, Krippen mitfinanzieren müssen und Heimschulfamilien verfolgt werden.

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10 Gedanken zu „Der linke Chef der linken Kirche

  1. Herr

    Meistens sind Dinge und Personen etwas komplizierter, als wir sie zu sehen gewohnt sind. Ich habe vor ein paar Wochen eine Predigt von Nikolaus Schneider gehört, nein: erlebt, die mir deutlich gemacht hat, dass er eben nicht nur „links“, sondern auch wirklich „fromm“ ist. Es ging nicht um soziale Gerechtigkeit, sondern um die Gerechtigkeit aus dem Glauben.

    „Weltverantwortlich“ ist sicher eine Neuschöpfung, aber aus einem gängigen Substantiv: „Weltverantwortung“. Wo ist das Problem? Und „weltdurchdringend“ ist, finde ich, schön formuliert. Ich kann an dem Satz nichts Anstößiges finden.

    Wir werden nicht immer glücklich sein mit einer gewissen linken Schlagseite in der Evangelischen Kirche. Wir können aber auch nicht so tun, als wäre es eine Unmöglichkeit, als frommer Christ links zu sein. Wir werden eben nicht aus unseren Werken und auch nicht aus unserer politischen Gesinnung gerechtfertigt, sondern aus dem Glauben an den, der unsere Fehler und Unvollkommenheiten, geistige und geistliche Verirrungen und Sünden (er)trägt.

    Herzlichen Grüße!
    Herr

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Wenn es diese Predigt von Nikolaus Schneider oder eine vergleichbare von ihm irgendwo online gibt, wäre ich über einen Link dankbar. Ich kenne Herrn Schneider nicht so gut und möchte gerne mein Bild von ihm korrigieren, wenn es falsch ist.

      Meine Informationen über ihn habe ich durch diverse Nachrichten von idea und diese machen mich sehr kritisch ihm gegenüber, auch wenn idea in diesen Artikeln immer neutral bis positiv berichtet hat.

      Leider ist es nach meiner Erfahrung auch so, dass moderne Theologen sehr häufig eine fromme Sprache gebrauchen, aber den christlichen Begriffen eine neue Bedeutung unterschieben. Man hat dann den Eindruck, eine Predigt wäre sehr biblisch, während sie tatsächlich unchristliches Gedankengut transportiert. Francis Schaeffer hat dieses Problem in Gott ist keine Illusion sehr gut diskutiert.

      Was die Wortkonstruktionen angeht, so ist mir auch das Wort „Weltverantwortung“ unbekannt. Ich würde „Verantwortung für die Welt“ sagen. Mag sein, dass Wörter wie „weltverantwortlich“ und „weltdurchdringend“ für evangelische Theologen normal sind, für den Normalchristen, zumindest den außerhalb der Landeskirche, sind sie es vermutlich nicht. Deshalb dienen sie m.E. nicht der klaren Übermittlung einer Botschaft. Sie klingen aber natürlich irgendwie bedeutend. 😉

      Es ist sicherlich möglich, als Christ links zu sein, nur ist das Links-Sein dann eben ein Problem, welches gelöst werden sollte. Man kann und muss auch zu einem gewissen Grad die Sünden von Mitchristen ertragen, aber wenn die Leiter einer einflussreichen Kirche sich immer wieder mit deutlich linken Aussagen hervor tun, dann wird es irgendwann unerträglich. Und ich denke auch nicht, dass die EKD nur eine „gewisse linke Schlagseite“ hat. Politische Äußerungen führender EKD-Vertreter scheinen fast immer so zu klingen, als kämen sie von der SPD oder den Grünen.

      Antwort
  2. Herr

    Politische Äußerungen führender EKD-Vertreter scheinen fast immer so zu klingen, als kämen sie von der SPD oder den Grünen.

    Dem ist wohl so. Was ich sagen möchte, ist, dass das im Sinne des Evangeliums nicht besser oder schlechter sein muss als „rechts“ oder „konservativ“. Weder das eine noch das andere folgt unmittelbar aus dem Evangelium.

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Das trifft sicher zu, wenn man auf die Kernelemente des Evangeliums, wie die Errettung von den Sünden, blickt. Aber die Bibel sagt auch einiges zum „normalen Leben“. Und da gibt es m.E. schon Dinge, die inkompatibel mit linkem Gedankengut sind. Zum Beispiel ist das Gebot der Nächstenliebe m.E. inkompatibel mit deren partiellen Ersetzung durch den Sozialstaat.

      Antwort
      1. Kokospalme Autor

        In diesem Zusammenhang könnte übrigens das Buch Jesus, der Kapitalist interessant sein, in welchem der ef-Kolumnist Robert Grözinger argumentiert, dass die Bibel die freie Marktwirtschaft fordert. Ich habe das Buch nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, dass es einiges an Gutem zu bieten hat. Zumindest ist mir der Autor auf ef-online recht positiv aufgefallen.

        Antwort
      2. Herr

        Eben das sind Dinge über die man diskutieren kann und muss. Die aber keine Bekenntnisfragen sind. Wir sollten anerkennen, dass hinter dem Sozialstaatsgedanken im Grunde doch das Anliegen der Nächstenliebe steht.

        Antwort
        1. Kokospalme Autor

          Das erkenne ich aber nicht an. Der Sozialstaat wurde durch Otto von Bismarck ins Leben gerufen und laut Jan Fleischhauer unter Adolf Hitler wesentlich ausgebaut.

          Otto von Bismarck beschrieb seine Motivation so:

          Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte.

          Wikipedia erklärt dazu:

          Damit sollte einerseits sozialen Unruhen und dem Sozialismus begegnet werden, andererseits sollte bereits bestehenden, freiwilligen Sozialversicherungen der Gewerkschaften und der kirchlichen Arbeiterverbände die wirtschaftliche Grundlage entzogen werden.

          Letzteres ist besonders interessant, weil Liberale oft betonen, dass freiwillige Hilfe funktioniert, wenn einem der Staat nicht durch Zwangsabgaben das Geld aus der Tasche zieht. Das Bestehen freiwilliger Sozialversicherungen sowie Bismarcks Plan, gerade mit einer gesetzlichen Versicherung diese zu zerstören, bestätigt diese liberale Ansicht, welche uns heutigen Sozialstaatsgewohnten unglaubwürdig erscheinen mag.

          Zu den Motivationen Adolf Hitlers zur Ausweitung des Sozialstaates hat sich Götz Aly geäußert. Dieser bezeichnete „Hilters Volksstaat“ als „Gefälligkeitsdiktatur“, die sich mit Sozialleistungen Zustimmung erkaufte.

          Antwort
          1. Herr

            Es sind auch andere Motivationen denkbar. Man muss nicht jeden, der für den Sozialstaat ist gleich mit Bismarck oder gar mit Hitler in einen Topf werfen.

            Im übrigen teile ich ja Ihre politischen Ansichten dazu. Aber es sind politische Ansichten, keine religiösen. Darum kann von mir aus ein Bischof oder Ratspräsident auch andere politische Meinungen haben als ich sie habe. So lange sie nicht von mir verlangen, auch links zu sein. (Und bis jetzt tun sie das nicht.)

            Antwort
            1. Kokospalme Autor

              Gewiss sind auch andere Motivationen denkbar. Wahrscheinlich favorisieren heute viele einfach den Sozialstaat, weil ihnen immer gesagt wurde, dass der Sozialstaat etwas mit Nächstenliebe o.ä. zu tun hat, während Marktwirtschaft für Kälte und Egoismus steht.

              Der Verweis auf Hitler ist aber nicht an den Haaren herbei gezogen. Der Nationalsozialismus hat nun einmal den Sozialstaat kräftig ausgebaut. Jan Fleischhauer geht in dem oben verlinkten Buch sogar so weit zu behaupten, dass eigentlich gar nicht Bismarck, sondern Hitler der Begründer des deutschen Sozialstaats ist.

              Ich sehe im Übrigen, wie schon angedeutet, keine klare Trennlinie zwischen geistlichen und politischen oder überhaupt zwischen geistlichen und weltlichen Angelegenheiten. Die Bibel äußert sich auch zu politischen Fragen. Man sollte als Christ gegenüber seinen Glaubensgeschwistern eine gewisse Toleranz in Sachen Politik walten lassen, insbesondere weil die Bibel keine präzise politische Lehrmeinung entwickelt. Aber ich würde einem Repräsentanten einer Kirche nicht jede beliebige politische Meinung zugestehen wollen.

              Antwort
  3. Pingback: Peer Steinbrück und sein „Gott“ | Kokospalme

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