Die Gedankenwelt des Kirchenchefs

In einem kürzlich erschienenen Artikel gibt idea Aussagen des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Nikolaus Schneider wider, die dieser zum Reformationstag in Wiesbaden geäußert hat. Dem unkritischen Hörer mögen Schneiders Äußerungen einleuchtend erscheinen. Für mich sind sie aber eher eine Reihe von Stolpersteinen, an denen ich hängen bleibe, weil sie meinem Verständnis von Christentum und Freiheit entgegen stehen. Ich möchte die wichtigsten Aussagen im Folgenden kurz kommentieren.

Glaube wird ohne Zweifel zur „naiven und lebensfremden Sektiererei“.

Existierende Zweifel sollte man nicht unterdrücken, sondern man sollte sich ihnen ehrlich stellen. Aber muss man sich um Zweifel bemühen? Jesus forderte jedenfalls immer wieder auf, zu glauben, aber nie, zu zweifeln.

Zweifel an überlieferten Glaubenswahrheiten dürfen nicht verteufelt werden.

Es geht Schneider anscheinend um Zweifel an Grundlagen des christlichen Glaubens, nicht nur um Zweifel an Nebenthemen. Typisch für die evangelische „Kirche“ von heute.

Der Verzicht auf kritisches Denken und zweifelnde Fragen führt zu einem „toten Buchstabenglauben“.

Hier wird wohl wieder der Strohmann bemüht. Schneider scheint Leuten, die an den christlichen Grundlagen festhalten, einen Mangel an kritischem Denken zu bescheinigen. Und mit seinem Verweis auf 1. Korinther 3, 6 stellt er das Zerstören der Glaubensfundamente auch noch als einen Weg zum Leben dar. Wenn es aber in dem zitierten Bibelvers heißt: „Der Buchstabe tötet.“, dann geht es dort um den Versuch, dass Gesetz Gottes aus eigener Kraft einzuhalten, nicht um das Festhalten an Gottes Aussagen. Und es steht in dem Vers auch nicht: „Der Zweifel macht lebendig.“, sondern: „Der [heilige] Geist macht lebendig.“

Das Erbe des Reformators Martin Luther ist, dass die Kirche ständig reformiert werden muss.

Martin Luther hat die Kirche reformiert, weil die Kirche sich von Gott entfernt hatte. Daraus lässt sich kaum ein Auftrag zur immerwährenden Reformation ableiten. Und schon gar kein Auftrag zu einer Reformation, die die Grundlagen der Kirche beseitigt. Die EKD braucht eine Reformation, die sie zurück zum biblischen Christentum bringt.

Die Freiheit zum Zweifel fördert den Aufbruch aus festgefahrenen Strukturen. Zum Beispiel haben die allgemeine Schulpflicht und die moderne Religions- und Gewissensfreiheit ihre Wurzeln im reformatorischen Freiheitsverständnis.

Es ist schlicht unglaublich, dass Schneider ausgerechnet eine der freiheitswidrigsten Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland, die Schulpflicht, als Resultat des reformatorischen Freiheitsverständnisses anführt. Der Weg in die Schulpflicht war in Wirklichkeit ein Aufbruch in eine festgefahrene Struktur hinein. Das wird nur von den meisten Deutschen nicht so wahrgenommen, weil sie in Sachen Schulpflicht die Massenmeinung übernehmen, also in festgefahrenen Denkstrukturen stecken. Aus solchen Denkstrukturen auszubrechen wäre eines reformatorisch gesinnten Christen würdig.

An der Unterscheidung zwischen Religion und Staat muss festgehalten werden.

Der Staat sollte sich auf gewisse grundlegende Aktivitäten, wie beispielsweise ein funktionierendes Rechtssystem, beschränken. Für diese Aktivitäten braucht er allerdings eine Richtschnur. Zum Beispiel wird der Inhalt eines Strafgesetzbuches stark davon abhängen, welche Weltanschauung die gesetzgebenden Personen vertreten haben. Hier ist eine christliche Orientierung gefragt. Eine Trennung von Religion und Staat ist also nicht unbedingt geboten. Wichtig ist aber die Trennung von Kirche und Staat, also die Trennung von Institutionen. Diese gab es laut Thomas Schirrmacher sogar in der Theokratie des alttestamentlichen Israels.

Trotz aller Zweifel ist die Gewissheit „von Gott unbedingt geliebt zu sein“ entscheidend.

Der Liebe Gottes ist sich selbst der Zweifler Schneider sicher. Des (berechtigten) Zornes Gottes wahrscheinlich schon nicht mehr so. Man glaubt halt das, was einem gefällt.

Durch den Glauben an Gottes Liebe erhält man die Kraft, „unsere Gesellschaft auf das Reich Gottes hin zu verändern“.

Schneider will also offenbar unsere Gesellschaft in das Reich Gottes transformieren. Vermutlich durch gesellschaftspolitische Eingriffe. Dieses Ansinnen gehört zu den typischsten Fehlern der heutigen EKD. Das Reich Gottes ist nur dort, wo sich Menschen Jesus Christus unterordnen. Und nach Aussage Jesu tun das nur wenige. Schneider hat wahrscheinlich ein linkes Programm im Hinterkopf, dem er ein christliches Mäntelchen umhängt.

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Ein Gedanke zu „Die Gedankenwelt des Kirchenchefs

  1. Pingback: Der linke Chef der linken Kirche | Kokospalme

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