Wie Mainstream-Meinungen vor Kritik geschützt werden

André F. Lichtschlag schreibt in der aktuellen ef unter dem Titel Schneller Huber, großes Genie folgendes:

Hamburg, 04.10.2010: Der „Spiegel“ beschreibt in einem polemischen Artikel über Skeptiker der Klimahysterie die „bewährten Strategien der Desinformation“. Ziel der Angriffe aus dem Hamburger Glashaus ist unter anderem das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) in Jena. Hans Joachim Schellnhuber vom mainstreamigen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, erfahren wir, „lehnt es ab, sich mit EIKE-Vertretern auf ein politisches Podium zu setzen.“ Der „Spiegel“ findet das weder unwissenschaftlich noch verwunderlich und erklärt: „Das sei es ja nur, was sie erreichen wollen: bei Laien den Eindruck zu erwecken, dass sich dort Experten auf Augenhöhe streiten. Letztendlich sei Wissenschaft so kompliziert geworden, dass große Teile der Bevölkerung ihr nicht mehr folgen könnten. Die Klimaskeptiker hingegen befriedigten ein Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten. Genau darin sieht Schellnhuber das Geheimnis ihres Erfolgs. Und dagegen helfe leider auch keine öffentliche Debatte.“ Schellnhuber: „Stellen Sie sich vor, Einstein müsste bei Maybritt Illner die Relativitätstheorie verteidigen. Er hätte nicht den Schimmer einer Chance.“

Lichtschlag: Schellnhuber und Co.: Disskussionsverweigerung trifft Größenwahn.

In der Tat lässt sich die Darstellung des Spiegels leicht widerlegen. Man muss sich nur einmal ein paar Artikel auf der EIKE-Website durchlesen, um festzustellen, dass dort nicht nur einfache Wahrheiten geboten werden. Und eine aktuelle Umfrage unter den „Skeptikern der Klimahysterie“ zeigt, dass es in deren Reihen eine ganze Menge Wissenschaftler gibt.

Allerdings wird die Diskussionsverweigerung des Herrn Schellnhuber wohl bei den meisten Spiegel-Lesern auf Akzeptanz stoßen. Sie haben bereits das Vorurteil, dass die Skeptiker keine vernünftigen Argumente haben, und sehen daher wie Schellnhuber eine Diskussion als sinnlos oder gar kontraproduktiv an. Das ist das Elend der Vertreter von Minderheitenmeinungen. Sie können noch so gute Argumente haben, bekommen aber nicht die Chance, diese zu äußern, und den Diskussionsverhinderern wird noch Beifall geklatscht.

Genau das gleiche Problem gibt es auch bei Kritikern der Evolutionslehre. Unter denen gibt es zwar auch eine ganze Reihe intelligenter Leute, die gute Argumente gegen die herrschenden Ansichten haben, allerdings wird auch ihnen oft mit Verweis auf ihre angebliche Unwissenschaftlichkeit von vornherein das Gespräch versagt.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer frappierender Ähnlichkeiten zwischen der Behandlung von „Klimaskeptikern“ und Evolutionsskeptikern. Zum Beispiel die Gleichsetzung der kritikwürdigen Mainstream-Meinung mit bestens belegten wissenschaftlichen Theorien. So wie Herr Schellnhuber seine Klimahypothesen auf eine Stufe mit der Relativitätstheorie stellt, so wurde auch schon die Evolutionslehre als der Atomphysik ebenbürtig dargestellt, um damit Evolutionskritik vom Tisch zu wischen. Auch der Vorwurf der einfachen Wahrheiten wird den Evolutionskritikern regelmäßig gemacht. Und auch hier lässt sich der Vorwurf durch einen Blick auf entsprechende Literatur leicht widerlegen.

Schließlich gibt es als Analogon zum „Klimaleugner“ den „Evolutionsleugner“. Die Botschaft ist klar: Menschengemachter Klimawandel durch CO₂-Ausstoß ist genauso wie Evolution eine Tatsache und die Skeptiker wissen das auch, behaupten aber wider besseren Wissens das Gegenteil. Jeder, der sich eine Weile mit Kritik am Klima- bzw. Evolutions-Mainstream beschäftigt hat, wird wissen, was von dieser Botschaft zu halten ist. Nur leider meiden die meisten Menschen diese Beschäftigung mit den Fakten und suchen stattdessen nach einfachen Wahrheiten.

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2 Gedanken zu „Wie Mainstream-Meinungen vor Kritik geschützt werden

  1. Pingback: Das Leugnen des Offensichtlichen | Kokospalme

  2. Kokospalme Autor

    EIKE beschäftigt sich in dem Artikel Das ZDF, der Klimawandel und die Wahrheit: Mit dem Zweiten diffamiert man besser! mit einen Beitrag der ZDF-Reihe Frontal 21 gegen „Klimaskeptiker“. Die meisten der von EIKE kritisierten Diffamierungstechniken werden auch immer wieder gern gegen Evolutionskritik angewendet. Auch Frontal 21 sendete schon einmal einen entsprechenden Beitrag.

    Leider beiteiligen sich auch „Klimaskeptiker“ gerne mal am Evolutionsskeptiker-Bashing. Das liegt wohl daran, dass man bei Themen, mit denen man sich noch nicht eingehend beschäftigt hat, meistens die Standardmeinung vertritt. Das ist bei Evolution genauso wie beim Klima.

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