Hat der Bischof Darwin beleidigt?

Das aktuelle W+W Info enthält einen interessanten Artikel zu dem Disput zwischen dem Darwinisten Thomas H. Huxley und dem Darwin-Kritiker Bischof Samuel Wilberforce im Jahr 1860. Die gängige Version der Geschichte stellt Wilberforce in keinem sehr guten Licht dar. Der Artikel im W+W Info weist nun darauf hin, dass diese gängige Version höchstwahrscheinlich eine Legende ist. Der Autor, Reinhard Junker, schreibt:

Wilberforce soll im Verlauf dieses Disputs die Frage gestellt haben, ob Darwin durch seine Großmutter mütterlicherseits oder väterlicherseits vom Affen abstamme. „Huxley habe darauf würdevoll geantwortet, er würde sich einer solchen Abstammung keinesfalls schämen. Schämen würde er sich allerdings, von jemandem abzustammen, der die Gaben der Kultur und Eloquenz zum Dienst des Vorurteils und der Falschheit prostituiere. Oder in der Kurzform: Ich würde lieber von einem Affen als von einem Bischof abstammen.“ Klar wer hier als Sieger proklamiert werden soll!

Nach dem Theologen Christoph Schwöbel könne mittlerweile jedoch als gesichert gelten, dass diese „Urszene“ des Kampfes zwischen Naturwissenschaft [und Religion] sich so nie zugetragen hat. Die von ihm oben geschilderte Version ist nicht die einzige. Nachprüfbare Tatsache ist dagegen, dass Wilberforces Besprechung von Darwins „Origin of Species“ in der Zeitschrift Quarterly Review hauptsächlich naturwissenschaftliche Einwände präsentierte. Christina Aus der Au zitiert daraus (in Übersetzung): „Unsere Leser werden natürlich bemerkt haben, dass wir uns auf rein wissenschaftlicher Basis gegen diese Positionen gewandt haben. Wir haben dies aus unserer festen Überzeugung heraus getan, dass die Wahrheit oder Falschheit solcher Argumente auf diese Art überprüft werden soll.“

Die anekdotische Form habe die Disput-Szene erst 40 Jahre später angenommen, so Schwöbel. Offenbar soll sie dazu dienen, Gläubige nicht nur als rückständig, sondern auch als moralisch verwerflich hinzustellen. Schwöbel führt weiter aus, dass die zeitgenössischen Reaktionen auf Darwins Werk nicht den Eindruck eines Kampfes „zwischen Religion und Naturwissenschaft“ vermittelten, sondern es sich um eine Auseinandersetzung innerhalb der Naturwissenschaften handelte.

Die Kampfparole, Schöpfungsgläubige wendeten sich gegen Naturwissenschaft, wird auch heute gebetsmühlenartig eingesetzt, mehr noch: Die Verknüpfung des Schöpfungsglaubens mit Naturwissenschaft wird als Gefahr beschworen. In der vergangenen Medienkampagne war dies oft zu hören.

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