Was ist Freiheit?

Das Problem mit dem Begriff Freiheit ist, dass man darunter ganz unterschiedliche Dinge verstehen kann. Liberale meinen mit Freiheit die Abwesenheit von Zwang. Diese Art von Freiheit ist enorm wichtig, wenngleich sie nicht alles ist. Denn man kann auch ohne äußeren Zwang in gewissem Sinne unfrei sein. Zum Beispiel ist ein Alkoholiker, der ein Bier nach dem anderen in sich hinein schüttet, sehr wohl frei im liberalen Sinne, da niemand ihn zum Bierkonsum zwingt. Er ist aber natürlich durch seine Sucht gebunden, also unfrei. Jesus Christus sprach davon, dass alle Menschen Sklaven der Sünde sind und bot ihnen die wirkliche Freiheit an.

Sozialisten (im weiteren Sinne) kennen noch eine andere Art von Freiheit, nämlich die Freiheit von Mangel. Wo der Liberalismus die Freiheit von (durch Menschen ausgeübten) Zwang propagiert, fordern Sozialisten die Freiheit von „Sachzwängen“. Ein schönes Beispiel dafür ist die Aussage, dass viele ehemalige DDR-Bewohner nach Ende der DDR keine Reisefreiheit bekommen hätten, weil sie sich Reisen ins Ausland nicht leisten könnten.

Will man sozialistische Freiheit durchsetzen, muss man die liberale Freiheit opfern. Denn wenn Armut unmöglich gemacht werden soll, muss man notfalls den Wohlhabenden mit Gewalt etwas wegnehmen, um es an die Armen zu verteilen. Und damit sich niemand in der sozialen Hängematte ausruht, muss man die Leute zwingen, produktiv zu sein, wie es in der DDR mit der gesetzlich verankerten „Arbeitspflicht“ geschehen ist und auch heute wieder populär wird.

Die Tragik ist, dass der Sozialismus nicht in der Lage ist, sein Ziel der sozialistischen Freiheit zu erreichen. Die DDR liefert den empirischen Beleg dafür. Während 1989 die Bürger der BRD mehrheitlich in schönen Häusern wohnten, schicke Autos fuhren sowie gutes und vielfältiges Essen verzehrten, bekamen viele DDR-Bewohner nach langem Warten eine Wohnung in einer Bruchbude, konnten nach noch längerem Warten ein Auto kaufen, das seit 20 Jahren veraltet war, und waren mit einer mageren Auswahl an oft qualitativ minderwertigen Nahrungsmitteln konfrontiert.

Der Sozialismus opfert also die liberale Freiheit und entfernt sich darüber hinaus von der sozialistischen Freiheit. Der heutige Wohlfahrtsstaat hat als kleiner Bruder des Sozialismus das gleiche Problem in abgeschwächter Form.

Gerd Habermann hat in seinem „polemischen Soziallexikon“ den Unterschied zwischen liberaler und sozialistischer Freiheit auf den Punkt gebracht. Er schreibt:

Freiheit [ist] als individuelle Freiheit wichtigstes Element einer „offenen Gesellschaft“. Bei den Sozialpolitikern [ist Freiheit] vor allem als so genannte „materiale“ Freiheit, d.h. gute Versorgung, „Freiheit von Not“ definiert. Wer „arm“ ist, gilt als „unfrei“. Nach dieser Logik ist der wohlversorgte Kettenhund im Bauernhof frei, der wilde Fuchs unfrei; der arme Almbauer ist unfrei, der wohlversorgte Sklave frei. „Frei“ sind demnach auch Kinder und Gefängnisinsassen, die jederzeit gut versorgt sind. Frei sein heißt aber vor allem: frei vom willkürlichen Zwang durch andere Menschen seinen frei gewählten Zielen im Rahmen seiner Mittel und des allgemeinen gleichen Rechts folgen können, was Armut nicht ausschließen muss.

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