Gottgewollte Hörschäden?

Sachen gibt’s, die gibt’s nicht. Wie idea berichtete, bezeichnete der Präsident des Südafrikanischen Kirchenrats Tinyiko Maluleke die Vuvuzela als Vergeltung für den Kolonialismus. Sie sei „eines der widerwärtigsten Instrumente – sehr laut, sehr lästig“ und könne mit bis zu 120 Dezibel „die Trommelfelle europäischer Männer, Frauen und Kinder löchern“. Maluleke findet das gut, weil so an die Leiden der Afrikaner unter dem Kolonialismus erinnert würde, als „weiße Missionare Seite an Seite mit den Kolonialisten Afrikanern […] ihr Land weggenommen“ haben.

Das heute Schwarzafrikaner Weißen ihr Land wegnehmen und sie ab und zu auch mal umbringen, scheint Maluleke allerdings nicht zu erwähnen. Glücklicherweise gibt es aber in ef 102 einen super Artikel von Robert Grözinger, der dieser Problematik auf den Grund geht. Er trägt den Titel Südafrika vor der Fußball-WM: Der Rassist ist immer der Weiße.

Der Kolonialismus war sicher nicht gerecht. Allerdings zahlen die ehemaligen Kolonialherrenländer seit geraumer Zeit fleißig Entwicklungshilfe. Trotzdem geht es vielen afrikanischen Ländern schlecht. Kenner der Materie sagen, dass die heutigen Probleme der Afrikaner hausgemacht sind. Leute wie Maluleke sollten daher aufhören, die Kolonialismuskeule zu bemühen, und vor der eigenen Haustür kehren.

Das Prinzip, das Maluleke hier anwendet, ist übrigens heutzutage sehr beliebt. Eine Opfergruppe kultiviert ihren Opferstatus derart, dass sie auch dann noch als Opfergruppe gilt, wenn sie es gar nicht mehr ist. Das Resultat ist, dass die einstige Opfergruppe Privilegien bekommt und somit die anderen zu Opfern werden. Beliebte Peudoopfergruppen sind neben ehemals kolonialisierten Völkern z.B. Frauen und Homosexuelle.

Gemein ist den verschiedenen Opferkulten auch, dass Menschen für die Vergehen anderer Repräsentanten ihrer Gruppe verantwortlich gemacht werden. So werden z.B. die Trommelfelle heute lebender Europäer „gelöchert“, obwohl diese gar keine Kolonialisten sind. Das erinnert an das rechtswidrige Prinzip der Sippenhaft.

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4 Gedanken zu „Gottgewollte Hörschäden?

  1. Christoph

    Offen gesagt freut es mich für sie und für die Welt, dass sie hier schreiben können was sie wollen. Jedoch muss ich sagen dass es zunehmend an Gequirltes erinnert. Also ihr Strickmuster, ihr weltanschaulicer Überbau aus dem sie ihre Ansichten beziehen scheint sich doch sehr am Augenblick, an temporären Eingebungen zu orientieren die gepaart mit dem vorgeblich christlichen Hintergrund jedem ernsthaften Protestanten zu denken gibt.

    Nun der Kolonialismus war stark von missionarischen Einflüssen und Interessen geprägt, verantworlich dafür: die eine Christenheit, die wir sind. Wirkliche Einsicht und Reuhe, nicht vorhanden, statt dessen Rechtfertigungen und Verwässerung der Tatsachen. Beschämend!

    Zur Sippenhaft ist zu sagen: ein weitverbreitetes Prinzip innerhalb des Evangelikalismus für die Beurteilung Anders- oder Nichtgläubiger – schließlich sind ja alle jene verflucht. Und schließlich sind ja alle Evangelikalen auch Opfer der bösen bösen Schwulen und Lesbenpropaganda…da ist es ihnen Recht nicht wahr(Nun die Sache der Schwulen und Lesben ist nicht die meine, dennoch soll es gesagt werden)? Also kehren sie auch da besser vor Ihrer Tür!

    Das Prinzip, die zugegeben etwas schlichten Auswürfe des genannt Kirchenratsvorsitzenden, als Anlass zu einer „Generalabrechnung“ oder zu einen gewissen „Ablasshandels“ mit der Verantwortung der Mitteleuropäer, der Christenheit zu nehmen, ist doch so ziemlich das Billigste und gleichzeitig Fiesetste was ich in letzter Zeit aus ihrer Ecke gehört habe. Was für einen Wahnsinn wollen sie uns denn eigentlich noch verkaufen???

    Seinen sie mir gegrüßt…bis zum Wiederlesen nehme ich sie einstweilen in Sippenhaft…

    MfG! Christoph L.

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Dazu möchte ich folgendes anmerken:

      1. Was ich oben geschrieben habe, beruht zu großen Teilen auf häufigen Überlegungen zu grundsätzlichen Fragen. Wenn Ihnen meine Äußerungen „gequirlt“ vorkommen, dann vielleicht deshalb, weil Sie die dahinter stehenden Überlegungen nicht kennen.
      2. Ich habe in meinem Artikel nirgendwo den Kolonialismus gerechtfertigt. Reue für den Kolonialismus ist mir aber nicht möglich, da ich nicht an selbigem beteiligt war. Die heutige evangelikale Mission unterscheidet sich grundlegend von dem, was Sie kritisieren. Näheres dazu findet man z.B. in dem Buch Mission unter Beschuß von Andreas Holzhausen.
      3. Sippenhaft liegt vor, wenn jemand für die Schuld eines Verwandten gerade stehen muss. Wer Jesus Christus ablehnt, wird von Gott (nicht von den Evangelikalen) aufgrund seiner eigenen Schuld gerichtet. Niemand wird für die Schuld eines anderen zur Verantwortung gezogen.
      4. Evangelikale sind Opfer derjenigen, die Sonderrechte für Homosexuelle durchsetzen. Nicht jeder Homosexuelle tut das. Es gibt aber ein paar lautstarke Aktivisten, die offenbar genau dieses Anliegen haben.
      5. Die Aussagen von Tinyiko Maluleke sind m.E. Ausdruck eines tiefer sitzenden Problems, welches ich versucht habe, in meinem Artikel zu kritisieren. Was das mit „Ablasshandel“ zu tun haben soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.

      Nun noch etwas Grundsätzliches:

      Ihre Kommentare machen zwar Ihre Verachtung gegenüber meinen Aussagen sehr schön deutlich, sind aber i.d.R. argumentatorisch mehr als schwach. Ich bin es leid, immer wieder Ihre Verdrehungen zu widerlegen, nur um später wieder eine Tirade von Ihnen in meinem Blog stehen zu haben. Aus diesem Grund fordere ich Sie auf, in Zukunft von Kommentaren abzusehen. Sollten Sie dem nicht nachkommen, müssen Sie mit einer Löschung Ihrer Beiträge rechnen.

      Antwort
  2. Kokospalme Autor

    In ideaSpektrum 24/2010 gab es einen interessanten Leserbrief zum Thema Südafrika, den ich hier einfach mal unkommentiert zitiere:

    Auch idea spricht positiv vom „neuen Südafrika“. Dabei ist das wirklich freiheitliche Südafrika spätestens seit 1994 untergegangen. Davor existierte auf dem afrikanischen Kontinent Südafrika als das einzige Land mit stabiler und harter Währung, starkem sozialen Netz, gut florierender Wirtschaft, Innovation, Kultur, guter Selbstverwaltung aller Rassen und vor allen Dingen Sicherheit. Was ist heute? Schwindelerregend hohe Mordraten, massenhafter Kindesmissbrauch, Aids, Gewalt, Angst, Raub, Zusammenbruch sozialer Strukturen, Währungsverfall, Hunger, Elend, Niedergang jeglicher ziviler Kultur, neuer Rassismus (jetzt Schwarz gegen Weiß). All das sind massenhaft Verstöße gegen Gottes Zehn Gebote.

    Ich habe dieses Land in sechs Jahren von Nord nach Süd und Ost nach West durchstreift, kenne Buren, britisch gesinnte Städter, Schwarze etlicher Ethnien, Asiaten, Farbige. Ein guter Freund von mir, dessen evangelisch-reformierte – also hugenottische – Vorfahren 1688 nach Südafrika einwanderten, hat zu mir gesagt: „Wenn wir rund 500.000 Weiße in Johannesburg alles zurückließen und ohne unsere Habe in die einstige schwarze Vorstadt Soweto gingen; die rund eine Million Sowetians hingegen alles mitnähmen und unsere Häuser, Wohnanlagen und Stadtviertel in Johannesburg übernähmen, dann würde die Situation 20 Jahre später folgende sein: Soweto sähe aus wie früher Johannesburg und umgekehrt.“ Klingt rassistisch, nicht wahr? Nein, es ist – bei Gott dem Herrn! – die Wahrheit.

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  3. Kokospalme Autor

    Es gibt auch Afrikaner, die die Tätigkeit weißer Missionare anders sehen als Tinyiko Maluleke. Wie idea heute berichtete, sagte der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission, Fidon Mwombeki, dass die Mission „den Kirchen des Südens viel Gutes gebracht“ hätte. Mwombeki weiter:

    Die Missionare kamen zu uns, wuschen die Wunden der Kranken, häuften keine Reichtümer an, sondern arbeiteten mit uns partnerschaftlich zusammen. Darum feiern wir die Tage, an denen sie zu uns kamen, und nicht die, an denen sie uns wieder verließen.

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