Staatliche Unterwanderung der Familien

Vorgestern kritisierte ich noch das Konzept der Kinderrechte, heute purzelte mir das Thema schon wieder vor die Füße. Eine Mutter berichtete, dass bei einem ihrer Kinder eben dieses Thema gerade in der Schule durchgenommen wurde. Und sie schien darüber nicht sehr erfreut zu sein. Das macht Hoffnung, zeigt es doch, dass auch außerhalb der libertären Minderheit mitunter staatliche Übergriffe auf Familien als solche erkannt und abgelehnt werden.

Worin bestand nun die Kritik dieser Mutter? Sie sagte, den Kindern würde nur erzählt, was ihre Rechte seien, ohne zu vermitteln, dass Kinder auch Pflichten haben. Ihr wurde auf einmal von ihrem Kind verboten, dessen Zimmer zu betreten, weil es gerade schlechte Laune hatte. Die Pflicht zum Aufräumen des Zimmers sah ihr Kind allerdings nicht so ohne weiteres. Aber hatten die Lehrer den Kindern wirklich gesagt, sie hätten keine Pflichten? Doch, eine Pflicht haben Kinder auch nach offizieller Schulmeinung: die Pflicht zum Schulbesuch!

In diesem konkreten Fall ist die Sache gut ausgegangen. Die Mutter konnte ihr Kind davon überzeugen, dass der von der Schule gepredigte kindliche Hedonismus nicht der richtige Weg ist. Insbesondere machte sie ihm klar, dass die erste Pflicht eines Kindes ist, auf seine Eltern zu hören.

Es ist wohl genau diese simple Grundregel, die mit Konzepten wie den „Kinderrechten“ bekämpft werden soll. Das Kind soll nicht mehr den Eltern sondern direkt dem Staat unterstehen. Dieser besitzt schon jetzt mit dem Schulzwang ein Mittel, um Kinder gegen ihre Eltern aufzuwiegeln. Das oben beschriebene Aussperren der Mutter ist da noch eine harmlose Folge. Die Kinder werden z.B. auch aufgefordert, das Jugendamt einzuschalten, wenn sie „psychische Gewalt“ erfahren. Da dieser Begriff extrem dehnbar ist, muss man sich als Eltern wahrscheinlich schon hüten, einmal streng zu sein. Denn eine Information an das Jugendamt setzt nur allzu oft eine Maschinerie in Gang, die kaum wieder aufzuhalten ist.

Dass ein Staat die Unbedarftheit von Kindern ausnutzt, um sie zum Denunzieren ihrer Eltern zu bringen, ist kein neues Phänomen. Diese Strategie wurde z.B. in den sozialistischen Staaten des 20. Jahrhunderts intensiv verfolgt und schlägt sich z.B. in dem Mythos Pawlik Morosow nieder. Der englische Wikipedia-Artikel über Pawlik schreibt über dessen Geschichte:

Es war eine sowjetische Moralgeschichte: Widerstand gegen den Staat ist selbstsüchtig und reaktionär und der Staat hat größeren Wert als familiäre Liebe.

Der Geier hat kürzlich in einem Kommentar auf meinem Blog die Unterwanderung der Familien durch den Staat analysiert. Am Ende schreibt er:

Herrschaft kann nur dann wirklich totalitär sein, wenn sie jedes einzelne Individuum direkt erreicht, solange es familiäre Autorität und Loyalität gibt, ist staatliche Herrschaft nicht total.

Das liefert aber gleichzeitig auch eine Waffe gegen die staatliche Familienauflösung. Wenn die Familienmitglieder gegenseitig loyal sind, wenn sich die Eltern lieben, wenn sie ihre Kinder lieben und wenn die Kinder ihre Eltern lieben und deren Autorität achten, dann hat es der Staat schwerer, die Familie anzugreifen. Wahrscheinlich lag es auch an dem guten Verhältnis der oben erwähnten Mutter zu ihrem Kind, dass das Kind letztendlich seiner Mutter vertraute statt der Schule.

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2 Gedanken zu „Staatliche Unterwanderung der Familien

  1. Geier

    Über Morosow gibt es bei »Bluthilde« einen satirischen Artikel, der auch Links zum Thema enthält, zum Beispiel über englische Kindergärtnerinnen, die gezielt das Jugendamt informieren sollen, wenn Kinder rassistische Wörter wie »Blackie« oder »Paki« benutzen oder wenn den kleinen Rassisten fremdartiges Essen nicht schmeckt. Auch daß englische Kleinkinder ihre Eltern zum Mülltrennen anhalten sollen, habe ich irgendwo gelesen, finde aber die Quelle nicht mehr.

    Was meinen letzten Kommentar angeht: Der ist aus einem längeren Artikel über individualistisches vs. biblisches Menschenbild. Ist eine spannede Materie, aber wie das so ist beim Arbeiten: Es kommt imer neues Material dazu, so daß sich die Sache etwas in die Länge zieht (sowohl was die Fertigstellung als auch was den Umfang des Artikels angeht).

    Der Gipfel ist immer wieder das Citat von Sensinow, und wer denkt da nicht an die »Lufthoheit über den Kinderbetten«, die SPD-Generalsekretär Scholz einst gefordert hat:

    »… Es gilt, die Kinder von dem rohen Einfluß der Familie zu befreien. Wir müssen sie … nationalisieren. Von den ersten Lebenstagen an werden sie unter dem segensreichen Einfluß der Kindergärten und Schulen stehen … Die Mutter zu bewegen, uns, dem Sowjetstaat, das Kind zu überlassen, das soll unsere praktische Aufgabe sein.«

    (aus: V. Sensinow, »Die Tragödie der verwahrlosten Kinder Rußlands«, Zürich/Leipzig 1930)

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Wenn man in dem Zitat „roh“, „nationalisieren“ und „Sowjet“ weglässt, könnte es glatt von einem modernen Politiker, Gewerkschaftsfunktionär o.dgl. stammen. Erschreckend.

      Antwort

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