Die Familie als „rechtsfreier Raum“

In der aktuellen Ausgabe von eigentümlich frei zitiert Carlos A. Gebauer den Rechtsphilosophen Helmut Coing:

Die Gemeinschaft beruht in ihrem Prototyp, der Familie, auf engem persönlichem Zusammenleben. Die Ordnung, die sich in ihr herstellt, ist persönlich. Die Gesinnungen, die sie beherrschen, sind gegenseitige Achtung, Zuneigung und Liebe. Diese, nicht gesetzliche Schranken, bewahren vor Ausnutzung von Überlegenheit, wie sie andererseits Ungleichheiten und Unterordnung willig ertragen, ja gar nicht als solche ins Bewusstsein treten lassen. Das Recht dagegen ist eine schematische Ordnung, abstrakt und unpersönlich. Sein oberstes Prinzip ist die kühle Tugend der Gerechtigkeit, über welche die Wärme der Liebe und Zuneigung weit hinweggeht; sein Hauptanliegen ist Sicherheit, aber dafür ist in der echten Gemeinschaft gar kein Raum. Schließlich: Das Recht zwingt, die Gemeinschaft ist freiwillig. […] Ja, das Recht kann Gemeinschaft zerstören. Sein Vordringen ist ein Zeichen für den Verfall der Gemeinschaft. Da, wo das Recht in die Gemeinschaft eindringt, wo es die Befugnisse des einzelnen genau abzugrenzen und festzulegen beginnt, da wird die Gemeinschaft entweder zum Vertrag oder zu einem rechtlich beschränkten Machtverhältnis denaturiert.

Diese Worte sollten sich diejenigen zu Herzen nehmen, welche frei gewählte Rollenverteilungen von Ehepartnern unter dem Banner der Gleichberechtigung bekämpfen oder durch die gesetzliche Verankerung von „Kinderrechten“ Kinder gegen ihre Eltern ausspielen wollen. Merke: Die Forderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen richtet sich nur an den Staat und Kinderrechte werden am besten durch Eltern verteidigt. Auch das Konzept der Eheverträge sollte man im Angesicht der obigen Zeilen noch einmal überdenken.

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3 Gedanken zu „Die Familie als „rechtsfreier Raum“

  1. Geier

    Meines Erachtens ist paradoxerweise gerade das Patriarchat, das von vielen als Einengung empfunden wird, ein Garant gesamtgesellschaftlicher Freiheit, zwar nicht in dem Sinne, daß eine patriarchalische Gesellschaft unbedingt ein hohes Maß an Freiheit haben muß, aber in dem Sinne, daß patriarchalische Strukturen ein verbindliches Hindernis für absolute Diktaturen sind. Deswegen sind Diktaturen immer darauf bedacht, Familienverbände zu schwächen und zu zerstören. Die wahnwitzige Kollektivierung in der Frühphase des Sowjetregimes war nicht nur eine Maßnahme zur Enteignung landwirtschaftlicher Produktionskapazitäten, sondern vor allem ein Familienzerstörungsprogramm. Mit einer simplen Denunziation konnten Frauen und Kinder die Machtverhältnisse in ihrem Lebensbereich völlig umkehren, durch Komsomol, Partei und andere Organisationen wurden Loyalitätsverhältnisse umgestapelt und auf den Kopf gestellt. Aus Familienangehörigen, die dem Patriarchen rechenschaftspflichtig waren, wurden Sowjetbürger, die der Partei Gehorsam schuldeten. Als dann später sichtbar wurde, was für einen grausamen neuen Herrn man gegen den alten eingetauscht hatte, war es zu spät. Die alten Strukturen waren zerstört und konnten nicht wiederbelebt werden. Herrschaft kann nur dann wirklich totalitär sein, wenn sie jedes einzelne Individuum direkt erreicht, solange es familiäre Autorität und Loyalität gibt, ist staatliche Herrschaft nicht total.

    Antwort
  2. Pingback: Staatliche Unterwanderung der Familien | evangelikal und libertär

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