Wie man für Schöpfung argumentieren kann

Am 10. April fand in Dresden die alljährliche Frühjahrstagung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen statt. In diesem Jahr hatte die Tagung kein einheitliches Thema, sondern streifte verschiedene Gebiete, welche sich allerdings alle um das Thema Schöpfung vs. Evolution drehten. Den Einstiegsvortrag Wie man für Schöpfung argumentieren kann hielt Reinhard Junker, „dienstältester“ wissenschaftlicher Mitarbeiter der Studiengemeinschaft. Im Folgenden möchte ich eine kurze Zusammenfassung dieses Vortrags geben.

Nach Junker behandelt Naturwissenschaft selbstverständlich keine übernatürlichen Prozesse. Jedoch kann die Erforschung der Natur Hinweise auf einen übernatürlichen Ursprung liefern. Junker wehrt sich also gegen die Gleichsetzung von Naturwissenschaft und Naturalismus und meint:

Wissenschaftliche Forschung soll nicht unbedingt eine natürliche Entstehungsweise entdecken, sondern dazu beitragen, die tatsächliche Entstehungsweise herauszufinden.

Dass beim Ursprung der Lebewesen Design im Spiel war, ist für Junker eine plausible Option. Schließlich wirken ja viele der Konstruktionen in der Natur wie von einer Intelligenz entworfen. Selbst überzeugte Evolutionisten verwenden oft eine teleologische Sprache, wenn sie über derartige Konstruktionen reden. Da „wählt“ dann z.B. die Evolution Baumaterial und ist „kreativ“ bei dessen „Verwendung“. Evolutionisten weisen allerdings immer wieder darauf hin, dass diese Formulierungen nicht wörtlich zu verstehen seien. Junker hält dem ein sehr schönes Zitat von Hans-Dieter Mutschler entgegen:

Der Darwinismus trat mit dem Anspruch auf, Finalität durch „natürliche Zuchtwahl“ zu ersetzen. Der Einwand war sofort der, dass auch „natürliche Zuchtwahl“ ein teleologischer Begriff sei. Die Darwinisten konterten, das sei nur eine Redeweise. Eigentlich hätten sie damit etwas ganz anderes gemeint. Dies behaupten sie nun seit 150 Jahren. Wenn in neueren biologischen Publikationen auf Schritt und Tritt teleologische Begriffe vorkommen, so teilen sie uns mit, es sei nur „teleonomisch“ gemeint. Die Teleologie sei eine abkürzende Redeweise für etwas, das sie auch rein kausalmechanisch ausdrücken könnten, wenn sie nur wollten. Leider wollen sie nie.

Desweiteren geht Junker darauf ein, wie man Design nachweisen kann. Der klassische Ansatz des Intelligent Design macht keine Aussagen über den Designer und damit auch keine Aussagen darüber, durch welche Eigenschaften sich die vom Designer entworfenen Lebewesen auszeichnen. So ist es z.B. offen, ob der Designer auch nutzlose Organe erschaffen könnte. Man kann also aufgrund der Ab- bzw. Anwesenheit nutzloser Organe nicht für bzw. gegen Design argumentieren.

Dem klassischen Intelligent Design stellt Junker den Ansatz des Spezifischen Designs gegenüber. Hier macht man zusätzliche Annahmen über den Designer, z.B. dass seine ursprünglichen Kreationen keine Konstruktionsfehler enthielten. Naturwissenschaftliche Forschung kann dann versuchen, Konstruktionsfehler zu finden. Werden solche entdeckt, ist damit die Existenz des postulierten Designers widerlegt, andernfalls erhärtet.

Zum Schluss erklärt Junker, wie für Design argumentiert werden kann. Dabei stellt er ein interessantes Phänomen vor: Während die Mehrheit der Biologen von einem Schöpfer nichts wissen will, betrachten viele Ingenieure den Schluss auf Design bei Lebewesen als Selbstverständlichkeit. Junker erklärt sich das damit, dass dieser Schluss unserer Alltagserfahrung entspricht, die meisten Biologen aber einen Designer a priori ausschließen.

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6 Gedanken zu „Wie man für Schöpfung argumentieren kann

  1. Christoph

    Oh Allmächtiger…Ohhhhhhhhh Allmächtiger!!!!

    Da sind wohl ein paar Formfehler unterlaufen, es muss statt: „dienstältester“ wissenschaftlicher Mitarbeiter – heißen: dienstältester „wissenschaftlicher“ Mitarbeiter. Bitte ändern sie das einmal.

    Eigentlich ist es die Zeit nicht wert so etwas zu kommentieren. Aber ein paar Worte möchte man angesichts der all zu schlichten Argumente doch verlieren.

    1. wird eine Theorie wiederlegt (und wenn auch nur durch selbstkreierte naive Logik), ist nicht automatisch die selbst präferierte richtig.
    2. Sie müssen den Schöpfer für sehr kleinmütig halten, als dass er nicht genauso gut eine Evolution nach dem ungefähren Bilde Darwins ermöglicht oder angestoßen haben kann.

    Besser sie lassen es sich mit der Schöpfung auseinanderzusetzen und kommen dazu ein Leben in Frieden mit ihren Mitmenschen zu leben.

    Christoph

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Hallo Christoph,

      ich habe mir schon fast gedacht, dass Sie mir wieder einen solchen Kommentar in mein Blog setzen würden.

      Die zwei einleitenden Absätze Spott ohne Substanz sind es wahrscheinlich wirklich nicht wert, kommentiert zu werden. Also gehe ich mal lieber auf Ihre „Argumente“ ein:

      In meinem Artikel habe ich nirgendwo behauptet, jemand hätte irgendeine Evolutionstheorie widerlegt. Noch habe ich behauptet, dass eine solche Widerlegung die Schöpfungslehre beweisen würde. Sie präsentieren hier also einen Strohmann.

      Ein Schöpfer könnte theoretisch auch eine Evolution angestoßen haben. Allerdings würde ich ein solches Tun nicht als Zeichen von Größe betrachten, da ich den Tod als etwas schlechtes ansehe, dieser aber einen notwendigen Bestandteil der postulierten Evolution darstellt.

      Außerdem glaube ich nicht an eine durch Gott angestoßene Evolution, weil diese Vorstellung der Bibel widerspricht. Ich bin überzeugt, dass Menschen beim Erforschen von Ursprungsfragen an gewisse Grenzen stoßen, die nur überschritten werden können, wenn man Informationen von außen bekommt. Solche Information von außen, nämlich von Gott, findet man aber m.E. in der Bibel.

      Ihre abschließende Bemerkung ist ja wohl ziemlich dreist. Wie kommen Sie darauf, dass ich mit meinen Mitmenschen im Unfrieden lebe und auch noch mein Glaube an Schöpfung daran schuld sein soll? Ich habe mit einer ganzen Reihe Menschen zu tun, die von Evolution überzeugt sind, und komme mit ihnen gut klar. Einige wissen um meine Einstellung zu Evolution und tolerieren diese.

      Sie, lieber Christoph, scheinen allerdings diese Toleranz nicht aufbringen zu können. Schauen Sie sich bitte noch einmal die ersten beiden Absätze Ihres Kommentars an und fragen sich, wer hier Unfrieden schürt. Anscheinend wollen Sie mit mir erst im Frieden leben, wenn ich mich unter Ihre Dogmen beuge.

      Antwort
  2. Christoph

    Eines haben sie allerdings mit der notwendigen Klarheit durchdrungen: dass nicht jeder die von ihnen selbsterwünschte Toleranz und Achtung für ihre Sichtweisen aufbringt. Dies liegt aber in der Natur der Sache. Achtung und Toleranz sind keine Selbstverständnisse (ähnlich wie im Falle der Autorität). Beide müssen legitimiert und verdient werden.

    Andere Sachverhalte interpretieren sie allerdings – um nicht zu sagen falsch – eben einfach nach ihrem „Verständnis“. Mir liegt nichts, aber auch nichts daran, dass sie auf meine Linie einschwenken! Daran verschwende ich keine Energie noch liegt es im Entferntesten in meinem Interesse. Mission ist doch eher ihr Sandkasten in dem sie und die ihren spielen.

    Sehen sie: Was wissen sie von Gott? Sie begreifen ihn SO WIE SIE ES WOLLEN. Ich will sagen, wenn sie oder ich den oder das Schöpfer einfach so begreifen könnten, dann stände es wirklich in der Bibel.
    Es hat doch rein garnichts mit dem von ihnen gepflegten Geschmäckle oder der Vorliebe für die Bibel, für den Tod oder was sie perönlich für Größe halten zu tun ob der Schöpfer, oder ob er nicht eine Evolution angestoßen hat. Verstehen Sie?!

    Sie liefern ja selbst in ihrem vorvorletzten Absatz mal wieder ein Paradebeispiel wie sie sich ihre Wunschvorstellungen von der Welt oder Weltordnung selbst völlig unkritisch bestätigen. Sie sind ein Meister des Kreischlusses.
    Die Bibel ein Menschenwerk, dass durch die Jahrhunderte fort und fort geschrieben – und nach der Mode der Zeit verändert wurde nehmen sie 1:1 als das Wort Gottes an oje ojeeeeeee oje oje!!!!
    Aber auch ihr Wille soll ihr Königreich sein.

    Abschließend zu ihrem letzten Absatz möchte ich noch bemerken, dass ich annehme dass das Gesicht und den scheinbaren Frieden den sie, wie sie es selbst behaupten, mit ihren Mitmenschen wahren, daher rührt: dass die evangelikale Bewegung noch – noch nicht zur Macht gekommen ist.
    Im Falle dass – befürchte ich dass Toleranz und alternative Sichtweisen auf brennenden Holzhaufen ausgekocht werden.

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Vielleicht sollte ich die von mir verwendete Terminologie klar machen. Unter Toleranz verstehe ich die Duldung von Dingen, die man ablehnt. Das ist m.W. die traditionelle Bedeutung dieses Begriffs. Das wird sehr schön an den Äußerungen von Ludwig von Mises deutlich, welche ich in dem ersten Artikel meines Blogs zitiert habe. Mit Toleranz meine ich also nicht wie heute üblich eine allgemeine positive Einstellung gegenüber allem und jedem (die natürlich immer dann ein Ende findet, wenn der Gegenüber gewisse Dinge ablehnt, sich also dieser Zuckerwatten-„Toleranz“ nicht beugen will).

      Ich toleriere (d.h. dulde) es also, wenn jemand anderer Meinung ist als ich und diese Meinung offensiv vertritt. Es kann auch sein, dass ich mich mit einem solchen Menschen anderweitig gut verstehe. Allerdings verlange ich von meinem Gegenüber eine analoge Haltung. Toleranz muss also in meinen Augen nicht verdient werden.

      Meine Ansichten über Gott richten sich nicht einfach nach meinen persönlichen Vorlieben. Ich habe mich entschieden, die Aussagen der Bibel als Informationen von Gott zu betrachten. Diese Grundentscheidung kann man natürlich hinterfragen. Allerdings habe ich meine Ansichten zu vielen anderen Themen eben nicht nach meinen Wünschen geformt, sondern ich habe mich nach den entsprechenden biblischen Aussagen gerichtet. Meine Meinung zum Tod stützt sich z.B. nicht auf persönliche Vorlieben, sondern auf die Bibel, welche den Tod als Folge der (immer gegen Gott gerichteten) Sünde und als zu beseitigenden Feind betrachtet.

      Ihre Behauptung, die Bibel wäre über die Jahrhunderte hinweg immer wieder dem jeweiligen Zeitgeist angepasst worden, ist leider eine Legende – wenngleich eine sehr populäre. Die Bibel ist das mit Abstand am besten überlieferte Buch der Antike. Vergleicht man die unterschiedlichen kompletten und partiellen Abschriften aus den verschiedenen Zeiten, stellt man allenfalls marginale Unterschiede fest. Ob z.B. Jesus über die Hölle einmal oder dreimal gesagt hat, dass „ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlischt“, betrachte ich als unwesentlich.

      Ihre Befürchtungen bezüglich einer mächtigen evangelikalen Bewegung sind in meinen Augen völlig übertrieben. Wenn eine Bewegung Macht bekommt, besteht natürlich immer die Gefahr, dass sie diese missbraucht. Allerdings waren gerade Evangelikale wesentlich an der Etablierung von Meinungsfreiheit beteiligt. Gut, das könnte z.T. daran liegen, dass sie die unterdrückte Minderheit waren, daher sowieso keine Aussicht auf Macht hatten und deshalb wenigstens Toleranz wollten.

      Man muss aber auch die Inhalte evangelikalen Glaubens betrachten. Echter Evangelikalismus stützt sich immer auf die Bibel und diese suggeriert nirgendwo, die Aufgabe der Christen wäre die Schaffung eines „Gottesstaats“ und die Unterdrückung Andersdenkender. Im Gegensatz dazu hatte sich die Römisch-Katholische Kirche, als sie Ketzerverbrennungen inszenierte, bereits weit vom biblischen Christentum entfernt. Nicht umsonst hat sie die Bibelübersetzungsbemühungen von Luther und anderen heftig bekämpft.

      Um zu beurteilen, wie sich Evangelikale verhalten, wenn sie mehr Einfluss haben, kann man mal einen Blick in die USA werfen. Da läuft von evangelikaler Seite vieles, was ich für problematisch halte. Allerdings ist die Gefahr von Scheiterhaufen u.dgl. nicht annähernd gegeben. Eine reale Gefahr ist dagegen der Islam, zu dessen ureigenstem Programm ja die Schaffung eines islamischen Weltreichs gehört. Und wenn ich mir so manche Aussage von Richard Dawkins und Kollegen zu Gemüte führe, dann hoffe ich inständig, dass diese Menschen keinen nennenswerten politischen Einfluss haben.

      Antwort
      1. harrytisch2009

        Was? Die kriegen nicht mal einen Scheiterhaufen hin? Dann sollen sie es mal mit Coppenrath&Wiese versuchen. Kein Wunder, dass in Amiland alle zu McCafé oder Starbucks rennen…

        Antwort
  3. harrytisch2009

    Die Befürchtung hege ich auch, Christoph. So etwas Barbarisches. Unsere GenossInnen hatten Dissens eliminiert, indem sie Abweichlern entweder einen schnellen Genickschuss verpassten oder sie im Gulag wenigstens noch einer produktiven Tätigkeit zuführten.

    Den Evangelikalen ist ja alles zuzutrauen. Was passiert, wenn die die Macht haben, hat ja die Geschichte gezeigt. Einfach widerrechtlich 13 Provinzen der Britischen Krone abspalten und daraus ein Land aufbauen, das völkerrechtswidrige Angriffskriege führt, das Öl anderer Länder stiehlt und den Zionismus fördert, die Welt mit Blues, Countrymusik und Twilight belästigt und das von Kapitalisten, Anarchofaschisten, Waffennarren und Homeschoolern regiert wird.

    Da verlassen wir uns als aufgeklärte Europäer doch lieber auf unsere Wissenschaft: http://bluthilde.wordpress.com/2010/04/19/die-wissenschaft-von-der-wissenschaft/

    Antwort

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