Gewaltsame Erziehung zur Einheitsgesellschaft

Vor kurzem berichtete ich in meinem Artikel Zuflucht in Übersee über den erfolgreichen Antrag einer deutschen Homeschooler-Familie auf Asyl in den USA. Ich möchte an dieser Stelle auf den Blogartikel Der Religionskrieg lebt hinweisen. Unter anderem zitiert dieser viele Aussagen des US-amerikanischen Gerichts bezüglich des Asylantrags der Romeikes und gibt wertvolle Kommentare.

Man sieht sehr deutlich, dass es dem deutschen Staat nach eigenen Aussagen gar nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) um die Bildung der Homeschooling-Kinder geht, sondern um deren Einbindung in eine einheitliche „Gesellschaft“ – deren Grundwerte und -normen natürlich der Staat bestimmt. Also eine Form von Totalitarismus. Man lernt auch, wie Homeschooler vom Staat drangsaliert werden, und bekommt wertvolle Hinweise für den eigenen Asylantrag.

Besonders bedrückend fand ich das letzte Zitat, welches ich hier ins Deutsche übersetzt wiedergebe:

Im Fall der Familie Plett behauptete der Bundesgerichtshof, dass Homeschooling per se als Kindeswohlgefährdung angesehen werden kann und dass der Staat vollkommen berechtigt ist, Homeschooling-Eltern das Sorgerecht zu entziehen. Aufgrund der EU-Gesetzgebung reicht der Arm des deutschen Staates durch ganz Europa, sodass deutsche Beamte bei Beamten anderer Länder (sogar solcher, in denen Homeschooling legal ist) die gewaltsame Rückführung der Kinder nach Deutschland zwecks Besuchs öffentlicher Schulen beantragen können.

Hier zeigt sich in erschreckender Weise die Gefahr, die von zwischenstaatlichen Organisationen wie der EU (aber prinzipiell auch der UN) ausgeht: Die Flucht vor Verfolgung wird schwerer, im schlimmsten Fall unmöglich. Egal, ob man sich nach ausländischer Gesetzeslage korrekt verhält – der unterdrückerische Heimatstaat holt einen mit Hilfe des Fluchtlandes zurück. Heute schon nahezu europaweit, in Zukunft vielleicht weltweit. Deshalb: Wirtschaftliche Globalisierung: ja, politische Globalisierung: nein!

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8 Gedanken zu „Gewaltsame Erziehung zur Einheitsgesellschaft

  1. Alex

    Absolut richtig wie das Vater Staat es in diesem Falle sieht, nur weil hier ein exotisches Interresse vorliegt den Kindern den Kreationismus einzuhämmern muss einem solchen Verlangen nicht nachgekommen werden. Da könnte man ja auch gleich irgendwelche Neonazis ihre Kinder zu Hause unterrichten lassen. Die würden denen auch nur so nen Schnulli beibringen!

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    1. Kokospalme Autor

      Eine evolutionskritische Erziehung ist also Ihrer Meinung nach so schlimm, dass polizeiliche Übergriffe und Kindesentzug und die daraus entstehenden traumatischen Folgen bei Kindern und Eltern weniger schwer wiegen? Der Glaube an Schöpfung ähnelt dem Nationalsozialismus? Wie fanatisch müssen Sie sein, dass Sie so etwas behaupten! Nach Ihrer Logik müsste jetzt „Vater Staat“ Ihnen alle Ihre eventuell vorhandenen Kinder wegnehmen, weil Sie diese sonst zu Intoleranz, radikalem Atheismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus erziehen würden. Seien Sie froh, dass dieser Staat wenigstens Ihnen die Grundrechte gönnt, die er den Romeikes verweigert.

      Ich persönlich habe übrigens nur einen leiblichen Vater (leider schon verstorben) und einen himmlischen Vater, aber keinen „Vater Staat“. Der Staat ist für mich nur eine unpersönliche Institution, die ein paar wenige Basisaufgaben zu erfüllen hat. Emotional verbindet mich mit diesem Staat weniger als z.B. mit meinem Arbeitgeber.

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  2. loyalbushie

    „Hey, hier kommt Alex… Vorhang auf für ein kleines Bisschen Horrorshow“… 🙂

    Und Kommentare dieser Art illustrieren am Besten, warum das staatsautoritäre System der Zwangsbeschulung so problematisch ist: Es gebiert Personen, die ein ernstes Problem mit Lebensentwürfen haben, die vom eigenen bzw. dem abweichen, der gerade dem Mainstream entspricht. Personen, die Konformität für einen Wert an sich halten, bürgerliche Freiheiten wie die Glaubens- und Gewissensfreiheit hingegen für Gnadenrechte, die der Staat gewähren kann, wenn es tunlich ist, aber nicht muss, wenn es bloß um Personen geht, die es wagen, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

    Und junge Neonazis gibt es zur Genüge in öffentlichen Schulen – nicht trotz, sondern wohl eher wegen des staatsautoritären, Konformität erzwingenden Schulzwangs.

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    1. Kokospalme Autor

      Seltsam ist allerdings, dass die Staatsschulen gerade predigen, man solle nicht dogmatisch auf seiner Meinung beharren, sondern über unterschiedliche Meinungen diskutieren. Zumindest war das zu meiner Schulzeit so. Aber vielleicht sollen nur Nonkonformisten diskussionsbereit sein, während die Infragestellung von Mainstream-Dogmen mit Tabus belegt ist.

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  3. harrytisch2009

    gerade auf kath.net gefunden:

    http://kath.net/detail.php?id=25686

    da scheint sich wieder mal ein richtersenat die hilde-benjamin-verdienstmedaille verdienen zu wollen, nachdem diese für 2009 an den staatsanwalt und den richter im fall dudek gegangen war. wir werden jedenfalls der frage nachgehen, welcher verdiente kämpfer für den aufbau des sozialismus auch unter spätkapitalistischen produktionsverhältnissen hier seinem gerechten proletarischen zorn freien lauf gelassen hat und dies entsprechend auf unserem blog würdigen.

    es genügt nun mal nicht, schulverweigernden diversanten die freiheitsrechte zu nehmen, nein, es ist auch notwendig, gegen elemente durchzugreifen, die an der öffentlichen schulzwangsschule das ziel der unterweisung im richtigen klassenstandpunkt und damit die reifung zu einer sozialistischen persönlichkeit obstruieren!

    Antwort
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