„Nazi-Evangelikale“: Wie man ein Phantom kreiert

In seinem Artikel Nazi-Evangelikale möchte Autor Damien über „die politischen Zusammenhänge[…], in denen sich Evangelikale bewegen“, informieren. Nun dürfte dieses Anliegen innerhalb eines Blog-Artikels nur schwer zu verwirklichen sein, da es auch unter Evangelikalen ein sehr breit gefächertes politisches Meinungsspektrum gibt. Der Titel des Artikels verrät allerdings schon, worum es eigentlich geht: die evangelikale Bewegung in die Naziecke zu rücken.

Das gelingt dem Autor, indem er sich als Objekt seiner Betrachtungen ausgerechnet die Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland (ENiD) heraus pickt. Von dieser „Notgemeinschaft“ dürften allerdings viele Evangelikale noch nie etwas gehört haben. Ich selbst bewege mich beispielsweise seit über 15 Jahren in evangelikalen Kreisen und bin auf die ENiD nur über besagten Blog-Artikel aufmerksam geworden. Man kann diese Gemeinschaft daher wohl kaum als typisch evangelikale Organisation betrachten. Eine solche wäre dagegen die Deutsche Evangelische Allianz. Nur hätte Damien wahrscheinlich einige Schwierigkeiten gehabt, dort seine „Nazi-Evangelikalen“ zu finden. Es gibt übrigens eine sehr lange Liste von der Allianz nahestehenden Organisationen. Die ENiD ist dort „seltsamerweise“ nicht erwähnt.

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13 Gedanken zu „„Nazi-Evangelikale“: Wie man ein Phantom kreiert

  1. Sergej

    Bei der Evangelischen Notgemeinschaft gab sich doch schon das gesamte schwarzbraune Haselnußspektrum die Klinke in die Hand! Selbst Haider-Fan Alexander von Stahl und „National-Pazifist“ Alfred Mechtersheimer durften dort schon referieren!

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  2. Damien

    Nun, Anlass für meinen Post war der Versuch eines britischen Evangelikalen, Schwule in die Nazi-Ecke zu rücken. Eine Kurzfassung meines Posts hätte auch lauten können „Wer im Glashaus sitzt…“.

    Ich habe im Übrigen nicht behauptet, dass es sich bei der ENiD um eine aktuell besonders aktive Organisation handelt. Aber wenn jemand als Beleg für eine aktuelle Kritik an wem auch immer die Gründung der NSDAP hernimmt, braucht man sich über mangelnde Aktualität nicht beklagen, oder?

    Die evangelikale Bewegung als Ganzes in die Naziecke zu rücken, liegt mir völlig fern, nicht zuletzt weil ich selbst zu einer baptistischen Gemeinde gehöre. Etwas aktuellere Beiträge von mir als die von vor zwei Jahren zu lesen hätte Sie auch darauf gebracht, dass es sich bei mir nicht um einen Evangelikalen-Gegner handelt.

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    1. Kokospalme Autor

      Mein Beitrag sollte ja gerade klar machen, dass dieser britische Evangelikale wahrscheinlich gar nicht im Glashaus sitzt. Denn die Existenz einer ENiD in Deutschland, die gar keine typische evangelikale Gruppe ist, lässt ja praktisch keine Rückschlüsse auf die Gesinnung eines britischen Evangelikalen oder der Mehrheit der Evangelikalen zu.

      Antwort
      1. Damien

        Und die Gründung der NSDAP im Hofbräuhaus lässt keine Rückschlüsse auf die Gesinnung von heutigen (oder damaligen) Schwulen zu. Das eine (Parteigründung) hat mit dem anderen (sexuelle Orientierung) schlicht nichts zu tun. Das sollte mein Beitrag klar machen.

        Antwort
      2. Damien

        Auch wenn die ENiD heute keine typisch evangelikale Gruppe mehr ist – vor 30 Jahren waren die deutschen Evangelikalen in der Mehrheit reaktionär und insoweit war die ENiD damals durchaus typisch. Heute, da hast Du Recht, hat sich die evangelikale Szene auch in Deutschland längst ausdifferenziert.
        PS: Linktausch?

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    1. Kokospalme Autor

      Sorry, dass ich so spät antworte. Bin z.Zt. etwas im Stress.

      Einen Linktausch finde ich an sich nicht schlecht. Aus meiner Sicht spricht allerdings dagegen, dass ihr bei Gay West nun mal eine völlig andere Einstellung zur Homosexualität habt als ich. Das wäre an sich kein K.O.-Kriterium, weil ich nicht mit allen Sites meiner Blogroll völlig Meinungskonform sein muss. Allerdings liegt der Schwerpunkt bei Gay West nun mal eindeutig auf „schwul“, während „liberal“ eher am Rande vorkommt.

      Ich möchte daher momentan keinen Link auf Gay West in meine Blogroll setzen. Allerdings sind wir ja bereits durch Artikel und Kommentare verlinkt und das kann meinetwegen gerne weitergehen. Also friedliche Koexistenz und gepflegt-kritischer Meinungsaustausch. Einverstanden?

      Antwort
      1. Damien

        Einverstanden! Wobei mich das mit der völlig anderen Einstellung zur Homosexualität interessiert. Welche Einstellung dazu wird denn hier vertreten und welche völlig andere bei uns?

        Antwort
        1. Kokospalme Autor

          Na ja, bislang wird hier noch gar keine Einstellung zu Homosexualität vertreten, weil ich erst fünf Artikel geschrieben habe, in denen es erst einmal um anderes ging. ☺ Ansonsten wird natürlich das vertreten werden, was ich vertrete, da ich hier der alleinige Schreiberling bin. ☺

          Meine Ansicht richtet sich da – wie bei vielem anderen auch – nach der Bibel. Und dort wird das Praktizieren von Homosexualität nun mal abgelehnt. Ich finde daher nicht, das Homosexualität normal ist und habe auch nichts für die „Verschwulung von Kirche und Gesellschaft“ übrig.

          Nun ist das hier wie auch bei vielen anderen Sachen: auf der einen Seite das biblische Nein, auf der anderen Seite das Ja des eigenen Verlangens (bei mir im Falle Homosexualität eher nicht, an anderen Stellen natürlich schon). Mit solchen Konflikten umzugehen, finde ich ziemlich schwierig. Ich habe daher keine Patentantwort auf die Frage, wie man mit homosexuellen Empfindungen umgehen sollte, und tröste mich damit, das ich nicht für jede Frage die Antwort kennen muss – was nicht heißt, dass mich die Antwort nicht interessiert.

          Antwort
  3. Damien

    Du weißt schon, dass es Evangelikale gibt, die das Thema „Bibel und Homosexualität“ differenzierter sehen als Du?

    Das mit der „Verschwulung“ ist ironisch gemeint. Schwule gibt es längst überall, in Kirche und Gesellschaft.

    Antwort
    1. Kokospalme Autor

      Ich weiß sehr wohl, dass es (zumindest nominell) Evangelikale gibt, die Homosexualität nicht prinzipiell ablehnen. Allerdings habe ich noch nie eine Begründung für diese Sicht gehört, die mit der Bibel – insbesondere auch mit deren homokritischen Stellen – kompatibel ist. Wenn du mir eine solche Begründung liefern könntest, wäre ich dir dankbar.

      Antwort

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